Montag, 18. Mai 2015

St. Benedikt als Tagebuch. Ein Meditationskonzept

Papier ist geduldig. Das gilt auch für geistliche Literatur. Sie ist schnell gelesen, aber schwer umgesetzt. Eine Lösung dafür: Ein Tagebuch. Eine Benediktinerin stellt ihres vor.

Flickr Ivar Gullord 
Die Benediktsregel: Kein geistliches Werk hat soviel Einfluss im Abendland ausgeübt wie die Schrift vom Monte Cassino. Noch heute ist der Heilige Benedikt Zehntausenden ein geistlicher Begleiter. Für die Benediktsregel gilt aber das gleiche Problem, wie für jede geistliche Literatur: Man liest sie, ist begeistert und dann lässt der Eifer nach. Am Ende bist du da, wo du auch vorher warst.

Schwester Philippa aus dem Kloster Sankt Hildegard kenn das Problem. Sie hat ihren Weg gefunden, den Heiligen Benedikt intensiver in ihr Leben zu holen: Sie führt ein Tagebuch mit der Benediktsregel. Damit auch wir in der Welt davon profitieren können, stellt sie das Konzept auf der Abteihomepage vor.

Regelmäßige Lektüre

Schwester Philippa nutzt dabei ihre Erfahrungen mit der lectio divina. Wie viele Ordensleute liest die Benediktinerin jeden Tag eine Perikope aus der Heiligen Schrift und meditiert darüber. Das gleiche Prinzip wendet sie auch auf die Benediktsregel an.

Das wird dadurch gefördert, dass die Regel eng an die Heilige Schrift angelegt ist. Zahlreiche Stellen sind der Bibel entnommen und deuten sie aus. Ein weiterer Vorteil der Regel ist ihre Kürze. Damit kann sie im Jahreslauf gelesen und damit immer wieder neu entdeckt werden. Denn die geistliche Lesung bringt vor allem dann Frucht, wenn sie regelmäßig und fortdauernd geübt wird. Dazu Abbas Poimen aus den Apophtegmata Patrum:
"Die Natur des Wassers ist weich, die des Steines hart – aber der Behälter, der über dem Steine hängt, lässt Tropfen für Tropfen fallen und durchlöchert den Stein. So ist auch das Wort Gottes weich, unser Herz aber hart. Wenn nun aber ein Mensch oft das Wort Gottes hört, dann öffnet sich sein Herz für die Gottesfurcht."

Der Heilige Benedikt ist ein idealer geistlicher Begleiter

Grundsätzlich lässt sich ein solches Tagebuch mit den meisten geistlichen Büchern führen. Durch die Praxisnähe und die Kürze ist die Benediktsregel besonders gut für eine die Übung geeignet. Aber auch geistlich gehört der Patriarch Europas zu den besten Lehrern auf dem Weg zu Gott:
Der hl. Benedikt ist dabei ein guter und verlässlicher Wegbegleiter. Und, was am Ende vielleicht das Entscheidende ist: er bleibt nicht bei sich und seiner Regel stehen. Selbstgenügsamkeit oder gar Selbstbespiegelung sind ihm fremd. Er weist über sich und über die Regula hinaus, er will uns anspornen zum „Weiter“, zum „Darüber hinaus“, zum „Mehr“. 
Schwester Philippa spricht sehr offen über die Wirkung ihres Tagebuches auf ihr Leben:
Wenn ich nun ein wenig von meinen Erfahrungen mit dem Regel-Tagebuch berichte, so könnte ich sie in einem Wort zusammenfassen: das Regel-Tagebuch ist für mich zum Lebensatem geworden. Es hilft mir zu leben, ja ist inzwischen untrennbar mit meinem Leben verwoben. Es schenkt mir den Sauerstoff, den ich brauche, um mein geistliches Leben der Christusnachfolge im Geist des hl. Benedikt zu leben. 
Sie stellt den Lesern eine interessante Methode vor, sich dem Heiligen Benedikt oder einem anderen Heiligen zu nähern, um mit ihm den Weg zu Gott zu gehen. Ein Pfad, den es durchzuhalten gilt und den man nicht leichtfertig begehen sollte. Aber eine Chance für alle, die sie ernsthaft ergreifen wollen.

Zum Artikel:
Tagebuch führen mit der Benediktsregel (Abtei Sankt Hildegard)

Dazu auch:
Zur Benediktsregel allgemein (Benediktiner.de)
hora benedicti: Die Lesungen der Benedikts-Regel als App - Google und ITunes

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