Freitag, 8. Mai 2015

Schönwetter über Heiligenkreuz. Päpstlicher Segen und irdische Gründe

Das Stift Heiligenkreuz boomt seit Jahren wie blöde. Kein anderes Kloster ist so populär und erfolgreich. Das kann doch kein Zufall sein.


Das Stift Heiligenkreuz kann sich vor lauter Zulauf nicht mehr retten. Schon der Konvent würden aus allen Nähten platzen, wenn nicht viele Mitbrüder als Seelsorger in den Pfarren leben würden. Derzeit hat das Stift mit zwei Prioraten in Bochum und Wiener Neustadt einen Höchststand seiner Mitgliederzahlen erreicht. Auch die "Hochschule Benedikt XVI." quillt über und muss erweitert werden, um die Studierendenzahlen aufzunehmen. Die Lage ist so dramatisch, das man einige Seminaristen schon in Containern unterbringen muss.

Ich habe vor Jahren einmal einen Mönch nach dem Grund für den Erfolg seines Kloster gefragt und bekam eine sehr vergeistigte Antwort. Man bete halt viel. Pater Karl Wallner drückte das etwas bildlicher aus: Papst Benedikt kam 2007, hat gesegnet und alles ist explodiert.

Konservatives Revivial begünstigt Heiligenkreuz

Vom Walten Gottes einmal abgesehen, gibt es aber auch ganz weltliche Gründe, warum es dem Stift derzeit so gut geht. Das ist zum einen das konservative Revival unter Benedikt XVI. Das Stift gehört zu den wenigen Gemeinschaften, die einer traditionsorientierten Auslegung des II. Vatikanischen Konzils folgen. Damit liegen die Mönche ganz auf der Linie des Papa emeritus. Auch in ihrer barock-monastischen Liturgie entsprechen sie dem Stil, den der Papst - zu meiner persönlichen Freude - in Rom gepflegt hat. Gerade die hochkirchlichen Konservativen haben unter Benedikt XVI. einen Auftrieb erlebt, von dem auch das Stift Heiligenkreuz profitiert.

Glück mit dem Führungspersonal

Eine selten glückliche Personalkonstellation hat den Erfolg des Stiftes weiter befördert. Gregor Henckel Donnersmarck, Abt zwischen 1999 und 2011, ist nicht nur seiner Persönlichkeit nach eine beeindruckende Führungsfigur. Er ist als Mitglied der Adelsfamilie von Donnersmarck auch hervorragend vernetzt. Besonders in der katholischen Kirche sind Familienverbindungen wie diese noch immer Gold wert. Neben dem Altabt ist Pater Karl Wallner der charismatische "Außenminister" des Konvents. Nach Figur (sooo ein Kreuz) und Geist ein PR-Genie, ist er zudem ein Schaffer vor dem Herrn.

Chant schlägt ein wie ein Bombe

Einige weitere Ereignisse haben die Situation für das Stift zudem noch verbessert. Der Neffe des Abtes, Florian Henkel von Donnersmarck, spielte 2006 mit dem Film "Das Leben der anderen" einen Oscar ein. Auch auf das Stift viel dabei etwas Glanz aus Hollywood, denn der Neffe entwickelte den Film unter anderem in der Ruhe des Wienerwaldes. Dazu kam 2008 der Hype um die "Singenden Mönche" mit ihrer CD "Chant", die derart einschlug, dass die Zisterziesener sogar auf das Sofa von "Wetten dass ..." gezerrt wurde.

Den Mönchen ist es bislang gelungen, den Erfolg maßvoll zu verwalten. Der Ausbau der Hochschule ist dafür ein Zeichen. Er wurde nicht leichtfertig begonnen und Pater Karl legt wert darauf, man habe für den Ausbau keine Schulden machen müssen. Das ist wichtig. Denn wie jeder Boom wird auch dieser eines Tages vorbei sein. Das kann aber ruhig noch eine Weile dauern.

Dazu:
Wenn Mönche bauen (Demut Jetzt)

1 Kommentar :

  1. Ein weiterer Grund ist wohl in der starken (auch finanziellen) Unterstützung durch die Mitglieder des Opus Dei zu sehen, die z.T. auch Mitglieder der OCist sind.

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