Dienstag, 12. Mai 2015

Reliquien zurück in die Kirchen?

Reliquien, Messkelche und Heiligenfiguren finden wir nicht nur in Kirchen, sondern auch in Museen. Dort wirken sie aber für den religiösen Betrachter oft deplaziert. Denn dort sind sie ihrer ursprünglichen Aufgabe entfremdet.

Flickr Fiore Silvestro Barbato
Vor einigen Jahren habe ich den spanischen Ort Alba de Tormes besucht. Dort befindet sich das Grab der Hl. Teresa von Avila. Von der Kirche kam ich in ein Museum, indem auch einige Reliquien aufbewahrt wurden. Die Herzreliquie Teresas fand ich in einen Schaukasten, als handle es sich um eine Münzsammlung. Der religiöse Gehalt der Reliquie wird dabei in keinster Weise berücksichtigt.

Tote im Schaukasten statt im Grab

Museen haben die Aufgabe, Objekte zu konservieren und der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie bewahren dabei die Artefakte, entfremden diese aber zugleich. Denn sie reißen sie aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang, definieren einen neuen Zweck für die alten Objekte und stellen sie in einer neutralen Umgebung auf. Vielen Menschen finden es befremdlich, wenn sie im britischen Museum Mumien in Glasvitrinen vorfinden. Menschenkörper, einst für die Ewigkeit im Sarkophag pietätvoll präpariert, werden in einer Glasvitrine den Lebenden zur Schau gestellt. Die Kuratoren holen religiöse Andachtsgegenstände aus den Kirchen in die Museen, wo Besucher oft keinen Sinn mehr für ihren Bezug haben und sie auf ihre historische oder künstlerische Dimension reduziert werden.

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Kommentare :

  1. Das Anliegen teile ich vollständig. Allerdings stellt das durchaus auch Herausforderungen. Ich denke, es könnte - sofern viele Reliquien vorhanden sind - eine Art Heiligtumskammer an den Kirchen geben. Man sollte auch im Blick haben, dass die Authentizität vieler Reliquien aus heutiger Sicht eher zweifelhaft ist. Ich besitze z.B. einen Reliquienkalender, wo jeweils eine echte Reliquie des Tagesheiligen eingefügt sein soll. Ausweislich der Authentizitätsurkunde eines belgischen Bischofs. Nun kann ich mir aber kaum vorstellen, wie für ein solches Stück wirklich authentische Reliquien aller Heiligen zusammengetragen werden können. Aber sicher sind echte Reliquien unter diesen... Wie geht man angemessen mit einem solchen Stück um? Hängen in manchen Kirchen dann ganze Wände voller Reliquien? Da gibt es noch einige Schritte zu tun... Aber das Herz der Hl. Theresia gehört sicher nicht in einen Schaukasten - genausowenig wie eine Moorleiche... Auch aus anderen Gründen sollte man Impulse setzen, die die Ehrfurcht vor den Überresten Verstorbener wahren, sonst steuern wir geradewegs in solche Gruselkabinette wie die Körperweltenausstellung eines Herrn Hagens.

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    1. Lieber Herr Gehling,

      danke für Ihren sehr schönen Beitrag.

      Reliquien können natürlich nicht nur in Kirchen aufbewahrt werden, da sonst tatsächlich in vielen Kirchen die Wände voller Reliquien hängen würden, besonders, wenn man jede einzelne von ihnen in ein eigenes Reliquiar unterbringen würde. Viele werden auch in Sakristeien aufbewahrt. Unser Bischof aD Tebartz-van Elst hat für die Reliquien in seiner Residenz einen sehr schönen Platz gefunden, wo er sie in kleinen Kästchen unterbringt. Das ist ein würdevoller Rahmen, der auch platztechnischen Gründen Rechnung trägt. In einem etwas günstigeren Rahmen wäre das - wenn gewollt, in jeder Pfarrei möglich.

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