Montag, 4. Mai 2015

Gemeinsam Beten im Netz. Geht das?

Gebetsgemeinschaften sind eine uralte Tradition im Christentum. Die digitalen Medien schaffen neue Formen gemeinsamen Betens. Oder? 


Das Internet revolutioniert unsere Kommunikation. Fast alle sind heute schnell und immer erreichbar, egal ob altmodisch via Telefon oder neuerdings über Whatsapp. Doch unser Beten scheint sich kaum verändert zu haben. Noch immer ist die Kirche oder das stille Kämmerlein Ort des Gebetes.

Dabei ist Beten Kommunikation. Mit Gott, aber auch mit anderen Mitmenschen. Am deutlichsten wird das in der Messe, wenn die Besucher gemeinsam beten und sich dabei auch beeinflussen. Die Andacht der anderen kann die eigene fördern, Nachbarn, die auf ihren Smartphones herumspielen, sind hingegen dem Gebet wenig förderlich. Beten ist ein sozialer Akt, oft auch mit Abwesenden. Wenn ich für jemanden anderen bete, begebe ich mich in eine Gemeinschaft mit ihm. Und wenn ich die Psalmen singe, tue ich das zusammen mit zahllosen anderen Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen.

Füreinander, aber nicht gemeinsam beten

Doch auch das Beten kommt immer mehr im digitalen Zeitalter an. So kann ich heute das Stundengebet kostenlos als App auf mein Smartphone herunterladen.
Es entstehen auch neue Gebetsgemeinschaften, die den Geist des Internets in sich tragen: Anonym, flexibel und jederzeit erreichbar. Eine der größten Gemeinschaften in Deutschland ist amen.de. Fast 3.500 Menschen haben dort mittlerweile für 27.000 Anliegen 661.596 gebetet, stand Samstag Abend. Jeder kann einfach anonym ein Gebet eingeben, das geprüft und an verschiedene Mitglieder weitergemeldet wird. Die haben sich registriert, für eine bestimmte Zahl Anliegen pro Woche zu beten und schreiben mitunter auch "Ermutigungs-Mails", wenn man seine Mail-Adresse hinterlässt.

So trägt das Internet seine Werte und Mechanismen in das Beten hinein. Ich muss mich nicht schämen, weil jemand mich in meinen Sorgen erkennen könnte, kann aber ein Feedback auf mein Anliegen bekommen. Dennoch fehlt der Charakter der unmittelbaren Gemeinschaft, in der Versammlung an einem Ort mit den Mitbetenden. Zeitlicher und räumlicher Zusammenhang fallen bei amen.de auseinander. Wie so häufig überbrückt das Internet zwar diese natürlichen Grenzen des menschlichen Erlebens. Wie so häufig kann es sie aber nicht aufheben.

Leserfrage:
Kennen Sie weitere Plattformen von Gebetsgemeinschaften?

Dazu:
amen.de
Beten 2.0: Ein Selbstversuch (Radio Vatikan)

Kommentare :

  1. Täglicher Rosenkranz abends um 21 Uhr im Chat: http://gebetskranz.ch/ und soweit ich weiss auch Barmherzigkeitsrosenkranz um 15 Uhr.

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  2. #twomplet auf Twitter. Das tägliche Nachtgebet um 21 Uhr. Jeder kann sich beteiligen. https://twitter.com/twomplet

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