Mittwoch, 20. Mai 2015

Eremiten in Deutschland

Eremiten sind eine der ältesten Formen des geweihten Lebens im Christentum. Zwar fallen sie durch ihr Leben kaum auf. Doch allein in Deutschland gibt es etwa 80 von ihnen. Die FAZ hat eine Eremitin besucht.

Flickr Allie_Caulfield

Der durchschnitte Eremit ist älter als 50 und eine Frau. So kann man die Statistik zusammenfassen. Doch das wird den Eremiten, die per definitionem Einzelgängern sind, nicht gerecht. Es gibt den Spruch "Was ähnelt einem Eremiten am wenigsten - ein anderer Eremit." Allein das Kirchenrecht kennt verschiedene Eremiten-Typen, von anderen Konfessionen gar nicht zu reden. In der katholischen Kirche kann man entweder Ordenseremit sein, man hat sich von der Gemeinschaft seines Ordens abgesondert, gehört diesem aber weiterhin an. Oder man ist Diözesan-Eremit und untersteht dem Ortsbischof.

Hardcore-Eremiten

Das ist dann die Hardcore-Version des Eremitentums. Denn die Diözesan-Eremiten haben keine Rücksicherung im Orden und sind maximal auf sich alleine gestellt. Oft fehlt ihnen zudem die Entwicklung in einer asketischen Tradition, die Ordensleute schon vor Beginn der Einsamkeit eingeübt haben. Doch auch für die Ordens-Eremiten ist es ein hartes Brot, sind sie doch oft bewusst in eine Gemeinschaft eingetreten, um nicht zu vereinsamen.

Ihren Lebensunterhalt müssen Eremiten selbst verdienen. Das tun sie häufig in künstlerischen und einfachen handwerklichen Berufen. Kerzenzieher scheint in diesen Kreisen eine häufig gewählte Erwerbsquelle zu sein. Doch können sich die Eremiten oft nicht vollständig von der Welt abschließen, denn Einkaufen tun sie trotzdem. Sie ziehen auch oft Ratsuchende an. Das Urwüchsige und das Asketische der Eremiten scheint die modernen Menschen ähnlich zu faszinieren wie die Römer in der Antike, die nach Ägypten fuhren, um den Heiligen Antonius zu sehen.

Antonius der Große: Der Urvater aller Eremiten

Mit dem Wüstenvater Antonius dem Großen, im Westen auch Säuli-Antonius genannt und nicht dem aus Padua zu verwechseln, begann die Geschichte des Eremitentums. Nach dem Tod seiner Eltern zog sich der ägyptische Fellache zuerst in ein Grab am Rand seiner Siedlung, dann in eine ehemaliges Fort in der Wüste zurück. Dort schlossen sich ihm schon bald Schüler an, die kleine Eremiten-Kolonien bildeten, deren berühmteste in der Sketischen Wüste entstand, westlich von Alexandria.

Unter dem Heiligen Makarios dem Großen sollen sich erstmals einige Eremiten zu losen Gemeinschaften zusammengetan haben. Und auch das Koinobitentum, das Leben mehrerer Mönche unter Abt und Regel, entstand aus dem Eremitentum. Die erste Vorschrift schrieb Pachominos, ein ehemaliger Eremit. Mit dem gemeinsamen Leben wollte Pachominos die Härten des Eremitentums lindern und auch für 'normale' Asketen eine Heimat schaffen.

Faszinierende Einsamkeit

So gibt es auch heute deutlich weniger Eremiten als normale Ordenschristen. Die Zahl der Eremiten in Deutschland wird etwa auf 80 bis 100 geschätzt, genaue Zahlen liegen nicht vor. Das Leben in der Einsamkeit ist hart, die Armut oft größer als in vielen Ordensgemeinschaften, auch die physischen und psychischen Auflagen sind wesentlich strenger. Dennoch ist die Radikalität des Weges anziehend und für viele Außenstehende faszinierend.

Leserfrage:
Wollt Ihr auf dem Blog mehr zum Thema Eremiten lesen? Dann schreibt einen Kommentar oder gebt mir einen Daumen hoch?

Dazu:
Einsam und nicht allein (FAZ)
Wie Eremiten in Deutschland leben (rp-online)
Eremiten in Deutschland - Homepage mit Linkliste
Nicht in dieser Welt (katholisch.de)
Eremiten heute - Homepage und Blog zum "Buch Allein ist auch genug"
Eremiten heute (Sendung bei BibelTV)
Eremiten in der Grossstadt (Tagesanzeiger) über italienische Eremiten

Kommentare :

  1. Schöner Beitrag. Der Satz mit den Ordenseremiten, die bewußt in eine Gemeinschaft eingetreten seien, irritiert mich jedoch etwas: man wird ja nicht vom Oberen zum Eremiten bestimmt, sondern es sind Mitglieder einer Gemeinschaft, die sich nach einem Leben in größerer Abgeschiedenheit sehnen oder berufen fühlen und dies mit Erlaubnis des Oberen tun.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke :-)
      Der Satz bezieht sich darauf, dass die meisten Ordenseremiten die Sehnsucht nach "größerer Abgeschiedenheit" im Verlauf ihres Lebens im Orden entwickeln. Auch für die Ordenseremiten stellt ihr Dasein also in gewisser Weise ein Bruch oder eine Erweiterung ihres bisherigen Lebens bzw. ihrer Berufung da.

      Löschen
  2. Nur ein Hinweis zu der Linkliste. "Allein ist auch genug" strotz nur so von inhaltlichen Fehlern. Ernsthaft Interessierten kann man das Bucht wirklich nicht empfehlen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe das Buch selbst nicht gelesen, kann das daher leider nicht beurteilen.
      Können Sie ein anderes Buch empfehlen?

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...