Donnerstag, 23. April 2015

Durchlaucht gibt den Volkstribun. Johannes zu Eltz weiss es mal wieder besser

Johannes zu Eltz hat nach seiner Auszeit wieder neue Kraft gefunden, über alles zu meckern und sich wichtig zu machen. Natürlich nur im Interesse der Menschen im Bistum Limburg.

Foto: Flickr Stadtlichtpunkte
Das wichtigste zuerst: Johannes zu Eltz hat sich einen neuen Job ausgedacht. Er will jetzt nicht mehr Bischof werden, sondern Volkstribun.
Bischof will zu Eltz nicht mehr werden, die Basis steht ihm näher als die Spitze.
Das ist folgerichtig. Denn nachdem er mit Talent und Familiennetzwerken nicht auf die Kathedra kam, muss er an der Hierarchie vorbei seinen Einfluss stärken. Wie im antiken Rom erfindet er dafür eine neue Stelle, die neben den klassischen Ämtern steht: Den Volkstribun. Der spricht für das Volk und legt sein Veto gegen die Bestimmungen der bösen Amtsträger ein. Außerdem ist er unantastbar und darf weder versetzt, verhaftet noch sonstwie vom Hof gejagt werden. Also die ideale Stellenbeschreibung für einen gescheiterten Bischofsanwärter, der von vielen um den Dom nur "Der Adlige" genannt wird.

Kein Gott, kein Staat, kein Messstipendium!

Bruder Hannes, wie wir ihn in jakobinischer Geselligkeit nennen wollen, erzählt auch von einem seiner dringendsten Reformanliegen: Das Messstipendium muss weg. Weil ... weil es eben rückständig ist:
„Wir haben Kirchensteuer und bezahlen unsere Geistlichen, deshalb muss man sich bei uns keine Messen kaufen“
Ob man nun Messen kaufen kann, das weiss er sicher besser als ich. Aber als Bilderstürmer interessiert er sich nicht für Feinheiten. Als Kirchenjurist bekommt er aber noch den Dreh, die Frankfurter Katholiken könnten sich für die Abschaffung der Messstipendien "einsetzen". Wohlgemerkt "einsetzen". Denn ein Priester muss keine Stipendien mehr annehmen, er muss aber sehr wohl die Alten lesen.

In guter Bilderstürmertradition vergisst Bruder Hannes aber natürlich den sozialen Aspekt der Messtipendien. Denn die werden häufig gar nicht von heimischen Geistlichen gelesen. Sondern sie werden in die Dritte Welt weiter gereicht, wo der afrikanische Dorfpfarrer darauf angewiesen ist, dass die reichen Deutschen Messen "kaufen", damit er zum Beispiel die Dorfschule finanzieren kann. Aber auch in England hat man sich im 16. Jahrhundert nicht dafür interessiert, das mit den Klöstern das Sozialsystem zusammenbrach. Pech halt.

Mit den Alten in die Zukunft

Die Krönung ist ist des Reformators Aussage darüber, mit welchen Gruppen er seine Visionen umsetzen will. Denn dafür seien die jungen Menschen untauglich:
Der Stadtdekan setzt bei der Erneuerung der Frankfurter Stadtkirche durchaus auf die ältere Generation in den Pfarrgremien, die durch die 68-er-Bewegung basisdemokratisch geprägt ist, während jüngere karriereorientierte Menschen im Berufsleben oft eher gewohnt seien, sich in Hierarchien einzufügen.
Heisst: Die 68er Geprägten stehen mir näher. Also 'erneuere' ich mit die Frankfurter Gemeinden mit denen, die schon seit 30 Jahren das Sagen haben. Die jüngere Generation hingegen bleibt ohnehin weg und ist hierarchieorientiert. Die brauche ich also nicht ins Boot zu holen. Die Zukunft gestalte ich mit den Alten für die Alten, ohne die Jungen und nicht für die Jungen.
Na dann: Darauf einen Ebbelwei, euer Durchlaucht. Prost.

Dazu:
Katholische Kirche will die Zukunft gestalten (FNP)

Bevor jemand fragt: Ja, das hat hier satirisches Potential.

Kommentare :

  1. Mich möchte interessieren, welches Volk der Tribun zu vertreten meint:
    Die sog. "68er" haben bislang keinen vermisst, der für sie spricht - sie können es selber. Die jüngeren wollen einen Stadtdekan, der zudem vor Ort den Bischof vertritt, und niemanden, der angeblich in ihrem Sinne (weil sie gar so schwach sind) spricht, ohne je mit ihnen gesprochen zu haben!

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    1. Ob der Stadtdekan nicht nur ohne die Jungen entscheidet, sondern auch nicht mit ihnen spricht, das will ich ihm nicht unterstellen.

      Aber ein großer Rhetor wie zu Eltz wird sicher auch gut die 68er dazu überreden können, für sie zu sprechen. Sozusagen als erste Geige im Orchester ;-)

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  2. Un das Einfügen der Jugendlichen in Hirarchien kümmert sich besser die Gemeinschaft von Taizé. Die Brüder überlassen den Jugendlichen sehr viel Verantwortung und Ü35-Menschen sind Gäste, die nur einmal im Jahr eine Woche kommen dürfen. Die Jugendlichen organisieren den Ablauf der Wochen mit allem drum und dran.
    Die "permanents", junge Menschen, die ein paar Monate dort leben, werden von den Brüdern und den Schwestern von St. André befähigt, andere anzuleiten. Organisation, Arbeitseinteilung, Mahlzeiten, Reinigung, Begrüßung neuer Gruppen und die Aufteilung der Aufgaben liegen in jungen Händen.
    Das klappt seit Jahrzehnten und die jungen Menschen, die auch nur eine Woche Geschirr gespült oder Toiletten geputzt, gekocht oder Essen ausgegeben haben, kommen verändert nach Hause. Keine Flausen mehr, ein neues Bewusstsein der eigenen Möglichkeiten, Selbstverantwortung und Achtsamkeit den Nächsten gegenüber. Selbstkritisch, erfüllt, gereift. Allerdings knicken diese Jugendlichen nicht mehr ohne weiteres vor Autoritäten ein und sind alles andere als bequem. Sie haben die "Unterscheidung der Geister" gelernt, über weiter Verantwortung aus und versuchen, da, wo sie sind, Ferment der Versöhnung zu sein, wie Frerè Roger es gern nannte.
    Schickt die Jungen auf den Hügel, so viel, wie Ihr könnt, dann ist es mir um unsere Kirchen nicht bange!

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    1. Danke für den schönen Beitrag über die Wirkung von Taize.

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