Freitag, 27. Februar 2015

Protzpalast? Oder sowas.

Bischof Tebartz-van Elst hat ein neues Versailles in Limburg errichtet? Fehlanzeige! Aber vielleicht kann man sprachlich etwas nachhelfen.


"Protzbischof" titelt der Focus bis heute über den Limburger Altbischof Tebartz-van Elst. Die 32 Millionen, die Tebartz-van Elst verbaut hat, erscheinen bis heute als Menetekel für Geldverschwendung. Und bei vielen Auswärtigen ist der Eindruck entstanden, in Limburg sei ein neues Versailles gebaut worden, inklusive Spiegelgalerie.

Schon vor 1 1/2 Jahren hatten sich die ersten Medienvertreter einen Eindruck von der Anlage machen können, als sie sich bei Gruppenführungen in die Residenz geschlichen haben. Obwohl das Bistum bat, davon Abstand zu nehmen. Wie man mir aber damals sagte, waren die ersten Gruppen fast ausschließlich mit Journalisten besetzt. Das sprach sich natürlich schnell rum und der Bischof war dann trotzdem ganz freundlich zu ihnen. Focus und Spiegel schienen es aber nicht bis nach Limburg geschafft zu haben und auch bei anderen breitete sich ein Schleier über ihre Erinnerungen.

Deswegen ging das Bistum letzte Woche in die Großoffensive und lädt ganz offiziell zum großen Pressetermin. Einmal mit Notizblock und Fotografen bitte. Schauen sie sich alles an und dann sehen sie, so schlimm ist es gar nicht. "Entmystifizierung" wird das genannt.

Durchaus erfolgreich. Zumindest die Fotografen hatten ihre Freude und haben jeden Quadratmeter abgelichtet. Besonders die Privatwohnung hatte es den Leuten angetan. Klar, waren sie dort vorher nicht reingelassen worden. Homestory mit Bischof wäre das dann gewesen. So blickten sich die Journalisten um und sahen: Hmm, doch kein Gold. Und wo ist nur der Brokat und der Cappa-Magna-Bügel.

Dennoch scheint bei manchen der Neid über die großzügige Wohnung des Bischofs, mehr als 200 Quadratmeter, durchgebrochen zu sein. Denn die Bildunterschriften sind interessant zu lesen. Während die Fotografen allesamt saubere Arbeit machten und keine Diamanten in die Bilder kopierten, ging es mit manchen Medienvertretern durch.

Die FAZ schickte sicherheitshalber Stefan Toepfer und nicht Daniel Deckers, der selbst jede weiße Wand noch als Hinweis auf eine weiße Weste des Bischofs verstanden und Zeter und Mordio geschrien hätte. So fiel die Berichterstattung maßvoll aus, wenngleich Worte wie "Gemächer" mehr an absolutistische Schlösser denn an Bischofswohnungen erinnern. Nicht an sich halten konnte allerdings die FNP/NNP. Worte wie "verpulvern", "Luxus pur", "Koi-Karpfen" (immer noch?), "Hallenfußball-Turnier" sprechen eine deutliche Sprache.

Dazu:
Bilder und Artikel FAZ
Bilderstrecke FNP
Ein Haus wird entzaubert (Bistum Limburg)

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...