Donnerstag, 5. Februar 2015

Diadochus: Die Zweiteilung des Willens

78) Wir sind nach dem Bild Gottes geschaffen, der geistigen Bewegung der Seele nach; denn der Leib ist so etwas wie ihr Haus. Da also aufgrund der Übertretung Adams nicht nur die Schriftzüge des Wesens der Seele beschmutzt worden sind, sondern auch unser Leib der Verderbnis anheimfiel, darum ist das heilige Wort Gottes Fleisch geworden und hat uns als Gott das Wasser des Heils durch seine eigene Taufe geschenkt zur Wiedergeburt. Wir werden ja durch das Wasser wiedergeboren in der Wirksamkeit des Heiligen und lebenspendenden Geistes. Darum werden wir sogleich sowohl der Seele als auch dem Leib nach gereinigt, wenn wir wirklich aus unserer gesamten inneren Haltung heraus zu Gott herantreten. Nimmt doch dann der Heilige Geist in unsWohnung und wird die Sünde von ihm vertrieben. Da nämlich das Wesen der Seele einzig und einfach ist, ist es unmöglich, daß zwei Personen. in ihr anwesend sind, wie manche schon gemeint haben. Wenn sich nämlich die göttliche Gnade als Unterpfand der Gottgleichheit durch die heilige Taufe mit gewissermaßen unendlicher Zartheit an die Wesenszüge (des Geistes) anschmiegt, welcher nach dem Bild Gottes geschaffen ist, wie kann dann die Person des Bösen Aufnahme finden — vor allem, da das Licht mit der Finsternis nichts gemein hat: Wir, die wir die heiligen Kämpfe durchlaufen, glauben also, daß durch das Bad der Unsterblichkeit die vielgestaltige Schlange aus den Gemächern des Geistes hinausgeworfen wird. Und wundern wir uns etwa, weshalb uns (auch) nach der Taufe wieder schlechte Gedanken im Verein mit den guten kommen? Das Taufbad der Heiligkeit nimmt ja zwar den Schmutz hinweg, der aus unserer Sünde stammt, doch ändert es jetzt nicht die Zweiteilung unseres Willens, noch hindert es die Dämonen daran, uns zu bekriegen oder. Worte der Täuschung zu uns zu sprechen. So sollen wir, was wir nicht behütet haben, als wir irdische Menschen waren, (jetzt) in der Kraft Gottes bewahren, da wir dieWaffen der Gerechtigkeit ergriffen haben.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in_ Philokalie, Bd. 1

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