Donnerstag, 22. Januar 2015

Diadochus: Heiliger Geist und Teufel, einmal Platzwechsel bitte!

76) Oft hat man von manchen bereits die Vermutung gehört, die Gnade und die Sünde, d. h. der Geist der Wahrheit und der Geist des Irrtums, würden bei den Täuflingen gleichzeitig in ihrem Geist verborgen. Daher sagen sie, das eine Wesen fordere den Geist zum Guten auf und das andere sofort zum Gegenteil. Ich aber habe aus den göttlichen Schriften und aus dem Empfinden des Geistes selbst entnommen, daß vor der heiligen Taufe die Gnade die Seele von außen zum Guten antreibt, doch der Satan in ihren Tiefen haust und alle rechten Wege unseres Geistes zu versperren versucht. Aber genau von der Stunde an, in der wir wiedergeboren werden, kommt der Dämon nach draußen und die Gnade nach innen. So merken wir, daß, wie der Irrtum die Seele früher beherrscht hat, so jetzt nach der Taufe dieWahrheit sie beherrscht. Allerdings beeinflußt danach auch der Satan die Seele ganz so wie ehedem, und meistens sogar noch schlimmer. Doch nicht, als ob er gemeinsam mit der Gnade (in der Seele) anwesend wäre, das sei ferne! Vielmehr behelligt er den Geist mit seinem Rauch infolge der Fügsamkeit des Leibes in bezug auf die Annehmlichkeit der widersinnigen Lüste. Doch geschieht dies durch die Zulassung Gottes, damit der Mensch, indem er durch den Sturm, das Feuer und die Erprobung geht, auf diese Weise — wenn er will — in den Genuß des Guten kommt. "Wir sind", heißt es ja, "gegangen durch Feuer und Wasser, und du hast uns in die Erquickung herausgeführt.“

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in_ Philokalie, Bd. 1

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