Freitag, 16. Januar 2015

Diadochus: Die Seele soll im Beschaulichen klar bleiben

75) Weht der Nordwind in der Schöpfung, bleibt die uns umgebende Luft rein aufgrund der gewissermaßen feinen und klärenden Natur dieses Windes. Weht aber der Südwind, wird die Luft gleichsam ganz dicht, da die verdunkelnde Natur dieses Windes aufgrund einer gewissen Verwandtschaft aus seinem Innern die Wolken auf den gesamten Erdkreis herabschickt. So ist es auch mit der Seele. Solange sie vom Wehen des wahrhaften und Heiligen Geistes bestimmt wird, wird sie gänzlich außerhalb des dämonischen Dunkels erfunden. Wird sie aber heftig vom Geist des Irrtums angeweht, wird sie ganz von denWolken der Sünde eingehüllt. Wir müssen also stets unser Streben mit aller Kraft dem reinigenden und belebenden Hauch des Heiligen Geistes aussetzen, d. h. dem Sturmwind, den der Prophet Ezechiel im Licht der Erkenntnis von Norden her kommen sah. So soll vor allem der beschauende Teil unserer Seele stets klar bleiben, damit wir, ohne fehlzugehen, auf die göttlichen Erkenntnisse stoßen, indem wir im Luftraum des Lichtes sehen, was des Lichtes ist. Dieses nämlich ist Licht wahrer Erkenntnis.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in_ Philokalie, Bd. 1

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