Freitag, 30. Januar 2015

Diadochus: Die Gnade wird in der Seele verborgen

77) Die Gnade wird, wie gesagt, genau von dem Augenblick an, in dem wir getauft werden, direkt in der Tiefe des Geistes verborgen, wobei sie sogar seinem Empfinden ihre Gegenwart verbirgt. Wenn aber jemand beginnt, mit seinem ganzen Streben Gott zu lieben, dann verkehrt die Gnade auf geheimnisvolle Weise dadurch mit der Seele, daß der Geist ihre Güter teilweise wahrnimmt. Daher gelangt, wer diesen Fund ganz und sicher besitzen möchte, schließlich zu dem Verlangen, auf alle ihm verfügbaren Güter mit großer Freude zu verzichten, um den Acker wirklich zu erwerben, in dem er den Schatz des Lebens verborgen gefunden hat. Wenn nämlich jemand ganz auf den Reichtum des Lebens verzichtet, dann findet er den Ort, wo die Gnade Gottes verborgen ist. Denn gemäß dem Fortschritt der Seele macht auch die göttliche Gabe im Geist (des Menschen) ihre Güte sichtbar. Doch läßt es der Herr zu, daß dann die Seele noch mehr von den Dämonen belästigt wird. Dadurch will er sie gebührend die Unterscheidung zwischen Gut und Böse lehren und sie dadurch demütiger machen, daß sie, da sie gereinigt wird, große Beschämung befällt aufgrund der Schamlosigkeit der dämonischen Gedanken.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in_ Philokalie, Bd. 1

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...