Mittwoch, 17. Dezember 2014

Neues aus Limburg: Grothes Agenda.

Am Sonntag hat Weihbischof Manfred Grothe, der Apostolische Administrator des Bistums Limburg, in einem Brief an die Diözesanen seine Agenda für die nächste Zeit vorgestellt. Darin waren einige Punkte enthalten, die nicht jedem gefallen dürften.


Das Weihbischof Grothe nicht der liebe Opa ist, als der er auf den ersten Blick scheint, dürfte sich mittlerweile bei den meisten herumgesprochen haben. Noch weniger ist er das willfährige Ausführungsorgan von partikularistischen Sonderwünschen mancher Limburger Kirchenversteher, die in Tebartz-van Elst alles Übel sahen und den Salto rückwärts in die verklärte alte Kamphauszeit wollen. Tatsächlich scheint Grothe in seiner Politik weniger an den alten Limburger Verhältnissen orientiert zu sein, als an den guten Teilen des Tebartz-Kurses und an einem römischen Auftrag.

Verabschiedung für Tebartz-van Elst

Dafür spricht schon der Umgang mit dem Altbischof. In seinem Hirtenbrief erklärt Grothe bzgl. einer Verabschiedung von Tebartz-van Elst: "Eine förmliche Verabschiedung, in welcher Form auch immer, hätte ich mir gerne gewünscht. Sie war trotz verschiedener Bemühungen bisher nicht möglich, bleibt aber dem Bistum aufgetragen." Wenngleich das Bistumssprecher eilig dementiert, es gäbe für eine Verabschiedung Pläne, ist klar, dass Grothe das heimlich, still und leise Davonjagen, was viele im Bistum präferiert haben, weder persönlich wünscht noch als Teil seines Auftrages ansieht. Denn wenn er schreibt, eine Verabschiedung bleibe aufgetragen, dann muss das durch einen Auftraggeber gewollt sein und der kann eigentlich nur in Rom sitzen. Man merkt, die Alleinschuldthese findet in Rom wenig Anklang, sowenig wie mancher Umgang mit dem Altbischof.

Auch die bischöfliche Residenz wird weder abgerissen noch in ein Flüchtlingsheim umgewandelt. Vielmehr soll sie so genutzt werden, wie es der Altbischof bereits angestrebt hat, nämlich als halböffentlicher Raum des Bistums, unbenommen der Privaträume, die auch weiterhin verschlossen bleiben. Also kein plantschen in der Badewanne.

Bischofswahl wird durch Rom angewiesen

Grothe äußert sich auch zur Frage des Limburger Domkapitels. Zunächst kündigt er an, in der ersten Jahreshälfte 2015 die beiden fehlenden Kanonikate zu besetzen. Das ist nun keine besondere Neuigkeit. Allerdings lässt er dabei offen, was mit dem restlichen Teil des Domkapitels passieren soll. Das diese nicht einfach wählen dürfen, wann und wie sie wollen, wird schonmal ganz klar gemacht, denn der Wahlprozess muss durch Rom angestoßen werden. Wenn aber Rom das Kommando zum Wahlprozess gibt, kann auch davon ausgegangen werden, dass Rom die Kontrolle über die Wahl hat. Sonderwünsche, wie sie im Bistum immer mal wieder geäußert werden, dürften aber bei der Bischofskongregation nicht gut ankommen. Die bisherigen Maßnahmen sprechen sehr dagegen, dass man in Rom dem Bistum eine selbstgestaltete Bischofswahl zutraut.

Entmachtung des Domkapitels

Ein weiterer Schritt, der das Domkapitel betrifft, wird in dem Schreiben nur angedeutet. Der Diözesanvermögensverwaltungsrat soll in neuer Besetzung installiert werden. Diese Neuordnung mit Blick auf das Kirchenrecht betrifft das Domkapitel mit, dass bisher personell mit diesem Gremium verflochten war. Bedenkt man zudem, dass Grothe die Aufsicht über das Vermögen des Bischöflichen Stuhles nach wie vor nicht in die Hände des Domkapitels zurückgelegt hat, nimmt der Einfluss des Kapitels weiter ab. Das Domkapitel schrumpft damit auf seine Verantwortung für die Bischofswahl und die Kathedralkirche zusammen. In der bischöflichen Verwaltung ist es dann nur noch durch die Aufgaben einiger Mitglieder als Dezernenten präsent.

Pfarreien neuen Typs kommen

Auch dem frommen Wunsch einiger Personen, man könnte doch die Pfarreien neuen Typs nochmal neu Stecken, wird eine indirekte Absage erteilt. Der eingeschlagene Weg, so Grothe „als Ganzes kann nicht rückgängig gemacht und nicht gestoppt werden.“ Die „Fragen“ der Betroffenen in den Gemeinden seien aber zu „hören und gut zu bedenken“. Zwischen zuhören und auf jemanden hören, also so machen, wie er sich das denkt, ist aber ein weiter Weg. Und Grothe geht es auch nicht darum, allen Wünschen Rechnung zu tragen, sondern zu Fragen, wie Gemeindeleben in den neuen Pfarreien gestaltet werden kann. Das klingt mehr danach, als wollte Grothe den Weg weitergehen, den Tebartz-van Elst gegangen ist und nicht, alles umzustützen.

Grothes Worte atmen Kontinuität

Überhaupt atmet das Schreiben mehr Kontinuität, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Denn nur wenige Punkte werden von Grothe direkt angesprochen, in den meisten sind die Aussagen weitgefasst und interpretierbar. Eine Grundtendenz bleibt aber sichtbar: Das Gute, das unter Tebartz-van Elst begonnen wurde, soll weitergeführt, Korrekturen sollen, wo nötig, vorgenommen und Wunden, wo geschlagen, geheilt werden. Ein ausgewogenes Programm, das Zeit braucht und wenig Raum lässt für partikularistische Rechthaberei.

Kommentare :

  1. Der Blogger schreibt mit hoher Kenntnis der Lage des Bistums und des Fortgangs der Dinge in Limburg. Hätte nicht der römische Gesandte sondern Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst versucht in der beschriebenen Weise das Domkapitel auf das Kerngeschäft zu reduzieren (man kann auch sagen zu entmachten auf kaltem Weg) - ich kann mir gar nicht vorstellen, welche Wellen das geschlagen hätte!

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  2. Eines der beiden fehlenden Kanonikate ist das von Franz Kaspar. Was ist denn das andere? Das von Johannes zu Eltz (ist der endgültig weg) oder das von Wanke (der noch da ist)?

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  3. Das andere ist das Kanonikat des Offizials, des Vorstehers des kirchlichen Gerichtes. Das wurde nach dem Wechsel von Johannes zu Eltz nach Frankfurt nicht wieder besetzt.

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  4. Nach aktuellen Aussagen muss das Kanonikat nicht zwingend (wenn bislang in LM auch immer üblich) mit einem Offizial besetzt werden. Das Bistum Limburg hat mangels eines geeigneten Priesters keinen eigenen Offizial mehr, sondern "teilt" sich diesen in Person von Prälat Assenmacher mit Köln. Da dieser aber dort Domkapitular ist, kann er es nicht gleichzeitig in LM sein. Das Kanonikat kann frei vergeben werden.

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    1. Stimmt. Von daher spannend, wie es sich weiter ausgestaltet.

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