Freitag, 28. November 2014

Papstbesuch in der Türkei: Hohe Erwartungen allenthalben

Der Besuch von Papst Franziskus in der Türkei wird von vielen Gruppen mit Spannung erwartet. Dabei werden in den Papst ganz unterschiedliche Hoffnungen gesetzt.

Foto: WikiCommons korea.net

Ökumenische Impulse

Den besten Kontakt zum Papst hat der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I. Beide haben sich schon mehrfach getroffen und setzen den Dialog und das gute Verhältnis, das ihre beiden Kirchen schon unter dem emeritierten Papst Benedikt XVI. hatten, erfolgreich fort. Vom Besuch des Papstes erhoffen sich die griechisch-Orthodoxen zum einen weitere Verbesserung für die Ökumene, zum anderen Impulse für mehr Religionsfreiheit in der Türkei. Denn noch immer werden Christen in der Türkei durch den Staat benachteilit. So ist das Ökumenische Patriarchat immer noch nicht offiziell als Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie anerkannt. Auch das Priesterseminar der Erzdiözese bleibt auf Weisung des türkischen Staates geschlossen.

Erdogans Wünsche an den Papst

Auch die Türkei hat einige Erwartungen an den neuen Papst. Die Erste ist schon der Besuch selber, genauer gesagt, wo der Papst den türkischen Präsidenten besuchen wird: nämlich im Ak Saray, dem "Weißen Palast", den sich Erdogan für ca. eine halbe Milliarde in ein Naturschutzgebiet hat stellen lassen. Papst Franziskus wird der Erste sein, der hier als Staatsgast empfangen wird. Damirt werden schon all jene Türken enttäuscht, die gehofft hatten, der "bescheidene" Papst werde auf einen Besuch im erdoganschen Monumentalbau verzichten. Doch auch der türkische Präsident könnte einige Erwartungen unterfüllt sehen. So ließ er den Papst schon zu Beginn der Reise wissen, er wünsche sich ein Zeichen des Papstes gegen Islamophobie in Europa. Freilich kann gefragt werden, inwieweit der Papst auf Übersensibilitäten des Präsidenten eingehen wird. Vielleicht erzählt ihm Erdogan auch nochmal die schöne Geschichte, Amerika sei ja eigentlich ein islamischer Kontinent.

Kein Besuch in Auffanglager

Beobachter gehen zudem davon aus, dass der Papst sich zum Thema Flüchtlinge äußern wird. So leben aktuell 1,6 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei, darunter mehrere tausend Christen. Gerade in diesem Bereich gab es aber schon erste Enttäuschungen. So war von einigen erwartet worden, der Papst werde sich mit Flüchtlingen in einem Auffanglager treffen, wurde bereits eine Absage erteilt.

Links zum Thema:

Ökumene und Dialog (Focus)
Hoffen auf mehr Religionsfreiheit (Domradio)
Papst der Armen in Erdogans Palast (Spiegel Online)

Auf Demut Jetzt dazu:

Beim ökumenischen Patriarchen (Demut Jetzt!)
Franziskus besucht Bartholomaios I. Stärkung des Patriarchen
Papst und Patriarch. Zur Einstimmung auf den Papstbesuch in Istanbul (Demut Jetzt)

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