Montag, 10. November 2014

Franziskus braucht keinen 'konservativen Gegenspieler'. Zur Entlassung von Kardinal Burke

Foto: Summorum Pontificium
Papst Franziskus hat im Vatikan mehre Stellen neu besetzt, darunter auch den Chefposten der Apostolischen Signatur, auf dem bisher Kardinal Burke saß. Das Umräumen geht also weiter und das Interpretieren auch.

Während für den größten Teil der Medienschaffenden und der progressive Katholiken der erzwungene Abgang des großen Cappa Magna-Trägers eine Freudenfest ist, bekommen die konservativen Katholiken, besonders die Tradis, Schnappatmung. Allerdings warne ich davor, in dieser Personalie den endgültigen progressiven Sündenfall des Papstes zu sehen.

Der Papst päppelt die Progressiven

Zum Ersten kam der Schritt nicht überraschend. Kardinal Burke hat in der letzten Zeit schon mehrfach die Vermutung geäußert, bald von seinem Posten beim Kirchengericht abberufen zu werden. Und er hat auch nichts getan, um diese Abberufung zu verhindern. Seine klaren, aber auch mitunter sehr scharfen Äußerungen haben gezeigt, dass er zum Konflikt mit der progressiven Fraktion an der Kurie bereit ist. Und da Papst Franziskus diese Fraktion aktuell päppelt, war das Ergebnis vorhersehbar.

Burke bleibt Kurienkardinal

Zum Zweiten bleibt Burke Kurienkardinal. Zwar nur noch auf einem drittklassigen Posten als Kardinalpatron des Malteserordens. Was ein römischer Titel für einen Grüß-Gott-August ist. Aber immerhin hat er nicht irgendeinen Job in einem Dritte-Welt-Land bekommen, wo er gar nichts mehr zu sagen hat und in der Versenkung verschwindet. Jeder weiss, dass es neben der offiziellen auch eine inoffizielle Hirarchie in Rom gibt und die funktioniert am Besten bei Anwesenheit. In Rom sitzend, kann sich Burke nach wie vor für seine Anliegen stark machen. Wenn auch weniger gut als zuvor.

Neuer Chef, neue Personalpolitik

Zum Dritten sind Umbildungen in Strukturen durchaus üblich, wenn ein neuer Chef kommt. Und Franziskus macht sowas eben wie ein Jesuit: Langsam, systematisch, gründlich. Das ist aus seiner Warte auch nötig. Denn auf übergroße Liebe ist er im Vatikan nie gestoßen, weder als Erzbischof von Buenos Aires noch als Papst. Zudem ist das oberste Kurienpersonal stark durch das Doppel-Pontifikat Johannes Paul II. und Benedikt XVI. geprägt. Abgesehen von Nuancen ist es in über 30 Jahren zu keinen wesentlichen Veränderungen in der grundsätzlichen Personalpolitik gekommen, da die die beiden Vorgänger von Franziskus doch weitgehend auf einer Linie lagen. Franziskus ist jetzt ein anderer Typ und baut daher schrittweise die Kurie nach seinen Vorstellungen um.

Der Papst ist 'Reizfigur' genug

Die Panik und die Freudenfeuer, die an einigen Orten nach der Absetzung Kardinal Burkes umgehen, hängen daher weniger mit dem Papst zusammen, als mit dem Kardinal selber. Burke ist eine Reizfigur, er weiss das und es macht ihm nichts aus. Sowohl in seinem liturgischen Auftreten als auch in seinen theologischen Äußerungen ist er wahlweise der Gott-sei-bei-Uns oder der Fels in der Brandung. Gegen ihn wirkt Kardinal Müller geradezu lieb, chillig und liberal. Reizfiguren darf es aber nicht zuviele an einem Ort geben. Nachdem Papst Franziskus selber schon eine ist, braucht er keinen 'konservativen Gegenspieler' auf einer bedeutenden Position. Deswegen wurde Kardinal Burke kaltgestellt. Der Vatikan wird damit im Führungspersonal etwas liberaler. Das muss einem nicht gefallen. Es ist aber Teil dieses Pontifikates.

Links zum Thema:
Kardinal Burke wird Papst-Vertreter beim Malteserorden (kath.de)
Stühlerücken im Vatikan (Domradio)
Kurienreform: Postenrochade im Vatikan (ORF)

Kommentare :

  1. Ich erwähne nur daß der KardinalPatron des Malteserordens nicht im Rom anwesend sein muß es wird sich also zeigen Ob Em Burke wirklich in Rom bleibt

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    1. Stimmt. Kardinal Burke hat allerdings bereits erklärt, er wolle auch als "nur" Kurienkardinal weiterhin wirksam sein.

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  2. Ich werde aus dem Artikel nicht schlau. Er liest sich für mich wie ein in sich widersprüchliches "beruhigt euch, es ist genau so, wie ihr denkt".

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    1. Stimmt. Es ist genauso wie ihr denkt, aber nicht so schlimm, wie ihr befürchtet. Mit Burke sind nicht alle konservativen Kräfte im Vatikan kaltgestellt, sondern einfach eben nur einer - wenngleich einer der Prominentesten - versetzt worden. Dazu kommt eben. dass das Verhältnis Burke-Papst aufgrund des Charakters der beiden ohnehin angegriffen war.

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    2. Kardinal Burke ist auch unter den Konservativen schon sehr speziell. Als äußeres sichtbares Zeichen möge die Cappa magna mit geschätzt 25 Metern Schleppe dienen ... Hübsch anzusehen auch die kardinalsroten Strümpfe, die er häufig zu tragen pflegt - ganz dem Rituale folgend!

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  3. Der klügste und kenntnisreichste Blog, den ich in der Blogozese bisher zu dieser merkwürdig schnappatmig diskutierten Causa gelesen habe.
    Würde weite Verbreitung verdienen. Glückwunsch!

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    1. Danke.
      Es gibt aber auch andere gute Beiträge zu dem Thema und wenn sich die Aufregung etwas gelegt hat, wird das ganze auch noch einmal detaillierter bewertet werden können.

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