Donnerstag, 16. Oktober 2014

Nicht-katholisch-sein nach Klaus Mertes

Zu den größten Übeln des innerkatholischen Diskurses gehört die Neigung, sich gegenseitig das katholisch-sein abzusprechen. In die lange Reihe der hierzu Berufenen hat sich nunmehr auch der prominente Jesuit Klaus Mertes eingereiht. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Jesuiten rechnet er daher machtvoll mit den Rechtskatholiken ab und definiert in diesem Kontext, was alles nicht katholisch ist.

Nach Pater Mertes sind all jene nicht katholisch, die Mauern zwischen anderen Personen und Gruppen aufbauen, die über andere richten und die andere möglichst übelst beschimpfen. Aus seiner Sicht fallen unter diese Beschreibung alle Personen, die in irgendeiner Weise mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht werden können.

kreuz.net ist natürlich nicht katholisch

Zunächst steigt Mertes geradezu sanft ein, indem er erstmal über kreuz.net herzieht und die dortigen Autoren als nicht katholisch abqualifiziert. Gegen kreuz.net zu wettern ist erstmal nicht schwer, denn kein Mensch bei Verstand und mit moralischem Empfinden kann die Gülle befürworten, die früher auf kreuz.net üblicherweise ausgegossen wurde. Dabei spricht Pater Mertes natürlich auch einen bestimmten Fall an, den er, ein netter Kerl wie er halt ist, nicht namentlich nennt. Aber wer googeln kann, kommt auch so drauf. Gemeint ist Pfarrer Jolie, der mit kreuz.net in Verbindung gebracht wurde - zurecht - und sein Einsehen bekannt hat. Was natürlich aus Sicht von Pater Mertes nicht ausreicht, denn er hätte sich bei seinen Opfern entschuldigen müssen. Das kein Beitrag bekannt ist, bei dem Jolie irgend jemanden übelst angegriffen, also zum Opfer gemacht hätte, braucht Mertes dabei nicht zu interessieren.

Katholische Seiten dürfen nur auf katholische Seiten verlinken

Als nächstes resümiert er über kath.net. Da er kath.net aber nicht mehr ganz so leicht vorwerfen kann, es sei eine rechtskatholische Hassseite, nimmt er lieber die Junge Freiheit aufs Korn. Diese wird nämlich auf kath.net beworben. Zwar scheinen selbst Pater Mertes die meisten Artikel der JF ganz manierlich, aber sie bildet in seinen Augen eine Brücke zu rechtspopulistischen Kreisen. Also jenen, die nicht katholisch sind. Da das Ansteckungsprinzip gilt - so wie früher bei der Exkommunikation - ist auch die JF damit nicht katholisch - hat sie ja auch nie behauptet - und damit auch kath.net irgendwie nicht, denn katholische Seiten dürfen offenbar nur auf andere katholische Seiten verlinken.

Blogger aufgepasst: Kommentare zeigen, wie katholisch ihr seid

Und weil sich Pater Mertes schonmal tiefschürfende Gedanken macht, nimmt er auch noch gleich die katholischen Blogger ins Visier. Die hat er auch im Verdacht, nicht katholisch zu sein. Natürlich nicht alle, sondern nur jene, die rechtskatholische Kommentare auf ihren Seiten zulassen und andere - linkskatholische? - Kommentare unterdrücken.

Gegen Lagerdenken, gegen Rechtskatholiken

So hat Pater Mertes alle ausgemacht, die nicht katholisch sind. Eben alle Rechtskatholiken. Das war zwar eigentlich der Inhalt des Artikels, er nennt das ganze aber anders. Denn der Text ist mit der Überschrift versehen: "Radikales Lagerdenken" und endet im letzten Absatz:
"Das Evangelium durchbricht die Lager-Unterscheidung zwischen "wir" und "die" an der Wurzel. Ein Blick in die Apostelgeschichte genügt, um das zu begreifen."
Darin ist Pater Mertes nun absolut zuzustimmen. Das er selbst in seinem Artikel Gräben aufgerissen und Lager definiert hat und das auch sonst schonal gerne tut, tangiert ihn dabei leider nicht. Er geht wohl davon aus, zu den Guten zu gehören und damit zu keinem Lager, sondern eben zu der Gesamtheit (der Guten).

Papst und Dogma als Grundlage des katholisch-seins

Doch setzen wir mal Titel und Abschluss aus dem Kontext des restlichen Textes, steckt durchaus Nährwert drin. Denn katholisch-sein setzt neben vielem anderen auch die Fähigkeit und die Bereitschaft voraus, andere Meinungen innerhalb der gleichen Kirche zu akzeptieren. Denn als Katholiken können wir eben nicht nen neuen Laden aufmachen, wenn uns die Visagen in der Kirche nicht mehr passen. Als Katholiken haben wir den Papst als Obersten Brückenbauer, der der Garant der Einheit der Kirche ist und die Dogmen, die den Rahmen unseres katholisch-seins bilden. Wer katholisch ist, das wird durch diese beiden Faktoren bestimmt, durch den Papst und durch die ewigen Lehren der Kirche. Das mag uns nicht immer gefallen und mitunter wünscht man sich, manche Nase möchte sich doch bitte eine andere Kirche suchen, da sie ja eigentlich schon lange nicht mehr katholisch ist.

Nicht immer neue Grenzen ziehen

Doch wenn ich Pater Mertes Abschluss einmal ernst nehme, dann sind solche Zuschreibungen kein Ausdruck von Tugend. Und vielleicht fände auch er es ganz sinnvoll, wenn wir uns gemeinsam an den bleibenden Lehren und Grundsätzen des Leibes Christi orientieren würden, anstatt durch aktuelle Probleme ständig neue Grenzen durch die Kirche zu ziehen. Das wäre dann wohl katholisch-sein.

Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Jesuiten hier, Text von Klaus Mertes S. 16f.

Kommentare :

  1. Zitat: »Das Evangelium durchbricht die Lager-Unterscheidung zwischen "wir" und "die" an der Wurzel. Ein Blick in die Apostelgeschichte genügt, um das zu begreifen.«

    Wenn man wissen will, was im Evangelium steht, soll man also in die Apostelgeschichte gucken – oder wie jetzt?

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    1. Naja, Pater Mertes ist ja kein Neutestamentler, da changiert das so ein bisschen. Evangelium jetzt etwas weiter Verstanden als Botschaft, nicht als Terminus für einen Teil der Bibel.

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  2. Na, verheben Sie sich mal nicht! Mertes hat natürlich völlig Recht! Das rechte Denken z.B. bei der Jungen Freiheit ist rassistisch und homo- und islamophob. Was hat da ein Katholik zu suchen? Beides ist mit der katholischen Lehre, die Sie hier ja so hoch halten, nicht zu vereinbaren.

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    1. Oh entschuldigung, sie haben Recht. Ich vergas das 11. und 12. Gebot: Du sollst Homosexualität und Islam gutfinden.

      Ich weiss ja nicht, was Sie so lesen, aber ich lese in der JF Kritik am Islam und eine Betonung der nationalen Rechte aller Nationen. Wenn das für sie Islamophobie und Rassismus ist, dann würde ich mal die These aufstellen, dass sie sich mehr verheben als ich.

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  3. Rechts und links sind ja nur unscharfe Richtungsbegriffe. Die können manchmal nützlich sein, um ganz grob das Feld abzustecken und bestimmte Dynamiken und Koalitionen zu durchschauen. Sobald man genauer ins Detail gehen und insbesondere die Christlichkeit der Positionen bewerten will, muss man aber sehr viel genauer differenzieren. Es gibt Rechte, die sind vorbildhaft christlich und verdienen Respekt und brüderliche Unterstützung, auch wenn man selber nicht rechts sein will. Es gibt aber auch Einstellungen und Haltungen, die für rechte Überzeugungen typisch sind, aber dem Christentum vollkommen zuwiderlaufen. Die gilt es zu enttarnen, wenn sie im katholischen oder allzu katholischen Gewand daherkommen.

    Linke Katholiken gibt es ja kaum. Das liegt natürlich daran, dass die allermeisten echten Linken krasse Vorurteile gegen die kath. Kirche haben (sie halten sie für zu "rechts") und überhaupt nicht katholisch sein wollen. Das ist sicher ein Verlust. Gewisse Ansätze für einen linken Katholizismus gab es mal in Lateinamerika, das ist inzwischen aber längst zerschlagen.

    Jesus selbst war linksnationalistisch eingestellt, diese Richtung gibt es heute nur noch sehr selten in gewissen exotischen Randgebieten, etwa dem Baskenland. Sie tritt typischerweise in kleinen, eher isolierten und strukturell armen Gegenden auf (und ist im reichen Baskenland deshalb auch schon lange auf dem Rückzug).

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    1. Jesus in die Kategorie linksnationalistisch einzuordnen, halte ich doch für etwas gewagt. Wir können ja gerne darüber sprechen, wie wir den Papst einordnen können - was schon schwer genug ist - vor dem Herrn sollten wir aber da halt machen.

      Ansonsten stimme ich zu, dass rechts und links unscharfe Richtungsbegriffe sind. In dem Falle bezogen sie sich aber auf die Ausführungen von P. Mertes, der mit solchen Grundsätzen argumentierte.

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