Freitag, 10. Oktober 2014

Die Ex-Nackten in der Kirche. Die Familiensynode der 'leibfeindlichen' Kirche

Alle Medien wissen es spätestens seit der Familiensynode, dass die Katholiken unter einer ganz schauerlichen Sexualmoral stöhnen und Papst Franziskus angetreten ist, das zu ändern. Auch die Protestanten warten gespannt auf die römischen Ergebnisse, haben sich doch beide Konfessionen in ihrer Sexualmoral stets beeinflusst.

Wenn ich in Uni-Kreisen mit den 'Vorstellungen' zur restriktiven Sexualmoral der Katholiken konfrontiert werde, lasse ich gerne mal einfließen, dass die Katholiken immerhin Nackte in der Kirchen haben: Nämlich an den Wänden und Decken. Die wurden zwar teilweise zwischenzeitlich etwas bedeckt, aber soviel nackte Haut findet man bis heute in keiner protestantischen Kirche.

Das weiss auch EKD-Vorsitzender Schneider, der auch interessiert guckt, ob da die Katholiken vielleicht Innovationsmotor sein könnten. Denn da es unter den Protestanten mächtig gekracht hat, als diese ihr sogenanntes "Familienpapier" herausgaben, hofft man auf Impulse aus Rom, an die man sich dranhängen kann.

Größere Skepsis gegen den Leib nach der Reformation

Dabei wäre es durchaus eine Ironie der Geschichte. Denn der auch so strenge Blick der katholischen Kirche auf den Leib in der Neuzeit ist vor allem eine Reaktion auf die Reformation. Zwar war Luther den Genüssen des Lebens sehr zugetan, aber seine Lehre war strengster Augustinismus und betrachtete den Leib des Menschen und seine Bedürfnisse mit großer Skepsis. Die katholische Kirche reagierte damals auf den Vorwurf der Reformation, die Katholiken ließen es an der notwendigen Sittenstrenge fehlen, indem sie ihrerseits die Sexuallehre kräftig anzog und fortan eher zurückhaltend vom Körper und seinen Bedürfnissen sprach. In diesem Kontexten wurden dann z.B. auch einige Fresken in der Sixtina züchtig übermalt.

Das 19. Jahrhundert prägte die Sittenstrenge besonders aus

Später wurden die dualistische Vorstellung vom protestantisch und säkular geprägten Bürgertum übernommen und noch strenger ausgestaltet, sodass es kein leibfeindlicheres Jahrhundert gab als das lange 19. Jahrhundert. Die katholische Kirche nahm auch diesen Impuls auf, konnte sie ihn doch gut mit dem Schutz der Familie und der Zurücknahme der irdischen Bedürfnisse als gesellschaftliche und individuelle Aufgabe verbinden.

Positives Verhältnis zwischen Körper und Geist als pastorale Aufgabe

Dabei ist die katholische Lehre, vor allem seit Thomas von Aquin, wesentlich aufgeschlossener gegenüber den Bedürfnissen und Wünschen der irdischen Welt als die meisten anderen kirchlichen Gemeinschaften, die stärker vom platonischen Dualismus geprägt sind. Hierin steckt eine wesentliche Chance der Kirche. Schon in den letzten Pontifikaten hat sich das Lehramt um eine positive Auslegung der Sexualität bemüht und von diesem Punkt das Ehesakrament interpretiert. Indes sind diese Ansätze bisher in der Theologie und unter den Katholiken kaum rezipiert worden. An diese Tendenzen anzuknüpfen und daraus eine pastorale Praxis zu entwickeln, die Ehe und Familie in der Öffentlichkeit und in der Partnerschaft stärkt, kann ein mögliches Ergebnis der Synode sein.

Kommentare :

  1. Ich muss ehrlich sagen, es nervt mich nur noch und langsam möchte ich schreien, Menschen haben auch ein Hirn, und ein Herz und nicht nur den Unterleib und die Kirche sollte bei der allgemeinen Verherrlichung des Gottes ne Etage tiefer und der gleichzeitigen Verachtung der natürlichen (und den Sturzbach der Hormone regulierenden) Folgen der Sexualität nicht mitmachen.

    Es gab noch nie ne Zeit in der mehr über Sex geredet und geschrieben wurde und man die Folgen sowas von dermaßen verachtet hat.
    Und auch bei den Leuten die angeblich, egal ob innerkirchlich oder außerkirchlich, soooo aufgeschlossen und so leibfeindlich feindlich sind, wenn die mitkriegen, dass du mehr als 2 Kinder hast, heißt es "seid ihr aber unbeherrscht!" (wobei das der vornehme Ausdruck ist).
    Bitte wer ist hier leibfeindlich und fürchtet die Okkupation des Leibes vom Leben?

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    1. Eine nachdrückliche Ergänzung, dafür Danke.

      Leider fehlt mir mangels zweier Kinder ein entsprechendes Lebensbeispiel.

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