Dienstag, 14. Oktober 2014

Der Erfurter Domberg – Konkurrenz der Stifte

Der Erfurter Dom und seine Nachbarkirche, St. Severin, zeigen bis heute, dass es bei aller echten Religiösität auch beim Kirchenbau sehr menschlich zugehen kann.

Eigentlich gehört Erfurt zu den ältesten rechtsrheinischen Bistümern. Es wurde schon von Bonifatius gegründet, verlor aber kurz vor oder nach dessen Tod diesen Status wieder. Sein Territorium dem Erzbistum Mainz zugeschlagen, dass damit bis zu seiner Neuformierung im 19. Jahrhundert bis nach Thüringen reichte.


Dom und Stiftskirche

Die bereits im Bau befindliche Bischofskirche behielt jedoch den Namen Dom und wurde später Sitz eines mainzischen Weihbischofs, der von hier aus die thüringischen Territorien verwaltete. Des Weiteren gab es im Dom ein Stiftsherrengemeinschaft, sodass man sich mit Weihbischof und Kapitel in Erfurt fast als Bischofssitz fühlen konnte.

Der Dom in Bedrängnis

In Bedrängnis geriet der Dom allerdings durch die Kirche, mit dem er sich den Domberg teilen musste. Schon im 10. Jahrhundert gründete sich gleich neben dem Dom ein weiteres Stift mit der Kirche St. Severi. Vermutlich waren auf dem Gebiet zuvor Benediktinerinnen untergebracht, die aufgrund des zunehmenden Trubels und der räumlichen Enge auf dem Domberg umgezogen sind.

So kam es dazu, dass es gleich zwei Stifte auf einem engen Raum gab, die zudem unklare Zuständigkeitsgrenzen aufwiesen. So lief, nach Interpretation der Domherren, die Grenze des Stiftsgebietes durch die Blasius-Kapelle des Severi-Stiftes, was im 14. Jahrhundert zu mitunter handgreiflichen Auseinandersetzungen geführt haben soll.

Konkurrenz der Stifte

Der Streit der Stiftsherren ist bis heute an den beiden Kirchen gut sichtbar. Denn die Stifte gönnten einander die schönere Kirche nicht und steigerten sich so in einen Wettlauf hinein, der zu immer neuen Bauten führte. Zu sehen ist das z.B. bis heute an den Hauptschiffen der beiden Kirchen. Beides sind Hallenkirchen. Zunächst baute St. Severus das Hauptschiff neu und nahm dabei den Typus des Hallenbaus vorweg, der erst im 15. Jahrhundert in Mode kam. Das veranlasste die Domherren ihrerseits das alte Hauptschiff im 15. Jahrhundert abzureißen und einen noch größeren, noch moderneren Hallenbau an den gotischen Chor anzufügen.

Kulturfördernde Wirkung menschlicher Schwächen

Letztendlich konnte der Dom das ‘Wettrüsten’ der beiden Kirchen für sich entscheiden, auch, weil er als Sitz des Weihbischofes die prominentere Kirche war. Dennoch sind beide Kirchen bis heute Zeugnisse für die kulturfördernde Wirkung von menschlicher Eifersüchtelei und damit ein Zeichen, das menschliche Schwächen auch etwas Positives hervorbringen können.

Weitere Artikel zu religiösen Orten auf hinsehen.net hier.

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...