Montag, 15. September 2014

Das Verhältnis zwischen Christentum und Islam. Hoffnung in der Krise?

Foto: Wiki Commons Jim Gordon
Das Verhältnis zwischen Christentum und Islam ist seit jeher eine komplizierte, spannungsgeladene Beziehung. Zu den Kristallisationspunkten der verschiedenen Aspekte dieser Beziehung gehört die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI., die sich dieses Wochenende jährt.

2006 löste der Papst einen Proteststurm in der islamischen Welt aus, als er einen byzantinischen Kaiser zitierte, der gegenüber einem Muslim in einem Dialogschrift bemerkte, Mohammed habe nichts Gutes gebracht. Doch auf den Proteststurm folgte ein intensiver Dialog mit dem Islam, sodass das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und der islamischen Welt nie so gut war wie beim Rücktritt Benedikts. Die Regensburger Rede zeigt damit verschiedene Facetten im Verhältnis zwischen beiden Religionen. Im Wesentlichen kann man drei Aspekte unterscheiden: Ablehnung, Toleranz und gegenseitige Bereicherung.

Ablehnung und Konfrontation

Unser Bild vom Islam ist vor allem durch den ersten Punkt geprägt, die Ablehnung. Der Islam ist seit seinem Auftreten für das Christentum im Allgemeinen stark mit negativen Erlebnissen verbunden. Denn der Islam breitete sich durch Eroberung in die vormals christlichen Gebiete aus und einen erheblichen Anteil an der Mission in diesen eroberten Regionen geschah durch staatlichen Druck. Auch stand der Islam jahrhundertelang an den Außengrenzen der europäischen Christenheit, erst auf der iberischen Halbinsel, dann auf dem Balkan und drängte immer wieder nach Europa vor. Eine Befreiung von der Gefahr durch das islamische Reich der Osmanen gelang den Europäern erst im 18. Jahrhundert.

Doch während für die Europäer der Islam seit dieser Zeit immer weniger bedrohlich war, begann zugleich das große Trauma der islamischen Welt. Denn jahrhundertelang konnte man sich den Christen technologisch und kulturell überlegen fühlen. Doch seit dem 18. und besonders dem 19. Jahrhundert begann der Aufstieg Europas zum beherrschenden Kontinent der Welt. Die Muslime sanken dagegen herab zu Vasallen des Westens. Dieses Trauma eines technologisch und wirtschaftlich überlegenen Westens, der noch immer in die muslimischen Angelegenheiten hineinregiert, führt noch heute zu einer Ablehnung Europas und Amerikas in weiten Teilen der islamischen Welt.

Toleranz als Duldung

Dabei ist die Geschichte auch von einer gewissen Toleranz der beiden Religionen einander gegenüber geprägt. Toleranz meint hier wirklich Duldung. Man duldete einander, weil man miteinander auskommen musste. Die Muslime waren in den ersten Jahrhunderten ihrer Geschichte darauf angewiesen, die Christen in ihren beherrschten Gebieten zu dulden. Zum einen, weil diese zu viele waren, um sie durch eine relativ kleine Herrenschicht kollektiv und dauerhaft in brutaler Knechtschaft zu halten. Zum anderen, weil die Muslime die Christen brauchten. Ihr Staatshaushalt basierte wesentlich auf der christlichen Kopfsteuer und die geistige Elite der orientalischen Christen stellte auf Jahrhunderte die wissenschaftliche Avangarde der islamischen Länder.

Aber auch die Christen waren bereit, Muslime zu dulden, wo sie keine Bedrohung für sie darstellten. Der Bestand des Osmanischen Reiches war in den letzten Jahrhunderten wesentlich davon abhängig, dass der Westen diese zur Mittelmacht degradierte Ex-Großmacht erhielt, um sich nicht über die Verteilung der Gebiete zu zerzanken. Und auch als Handelspartner z.B. im indischen Ozean fand man nichts gegen Muslime, solange sie das Geschäft mit den anderen europäischen Staaten nicht bedrohten. Auch im Mittelalter zeigten sich z.B. die Kreuzritter zur Duldung mit den muslimischen Einwohnern der Kreuzfahrerstaaten bereit, ihre Herrschaft wäre auch sonst nicht möglich gewesen.

Kooperation und Bereicherung

Seltener in der Geschichte haben sich beide Religionen gegenseitig bereichert. Der klassische Ort dieser Bereicherung ist bis heute die iberische Halbinsel. Nirgendwo haben Christen, Muslime und Juden solange so intensiv aufeinander gewirkt. Unter den Omayaden-Kalifen und in der Taifa-Zeit war Andalusien ein wichtiger Umschlagplatz von Wissen und Techniken, von dem auch das Christentum profitierte. Später, als radikale Muslime im Süden die Macht ergriffen, wanderte dieser Umschlagplatz in den Norden, wo die kastillischen Könige bereitwillig muslimische Gelehrte aufnahmen. Aus dieser Zeit stammen z.B. die meisten Überlieferungen griechischer Klassiker, die über die islamische Welt nach Europa gekommen sind.

Noch heute kann man in Spanien die Zeugnisse dieser Befruchtung erkennen. Während der Königspalast in Sevilla eindeutig muslimische Einflüsse aufweist, rezipiert z.B. die Alhambra in Granada christlicher Stilelemente wie den Kreuzgang. Auch das “Goldene Zeitalter” der islamischen Welt im 9. bis ins 13. Jahrhundert wurde erst durch die bereits genannten orientalischen Christen möglich, die den Muslimen das Wissen der antiken Welt erst erschlossen.

Bedingungen für Kooperation

Das zeigt, dass Christen und Muslime eine wechselende gemeinsame Geschichte verbindet, die niemals so eindeutig von Gegensätzen geprägt war, wie oft dargestellt. Sie zeigt, dass trotz einer schwierigen Geschichte und großer Unterschiede in bestimmten Phasen Kooperation möglich war, dass diese aber auch immer an glückliche Bedingungen geknüpft war. Oft war sie durch Radikale bedroht oder Kräfte verschoben sich. Im Wesentlichen waren Toleranz und Bereicherung immer an folgende Punkte geknüpft: Erstens eine eindeutig dominierende Macht; zweitens die Notwendigkeit dieser Macht, mit der anderen Religion in ihrem Interesse zu kooperieren; drittens eine gewisse Wertschätzung der anderen.

Die Lage heute

Vom Grundsatz her sliegen die Bedingungen für eine solche Situation auch heute vor. Denn noch immer stellt der Westen die bedeutendere Kraft dar als die muslimische Welt und kann, bei aller Abhängigkeit vom Öl, aus einer Position der Stärke heraus handeln. Zugleich muss die westlichen Gesellschaft die Muslime in den islamischen Ländern wie in den eigenen Gesellschaften ins das vom Westen dominierte Weltsystem integrieren, damit das eigene Konzept von Gesellschaft und Wirtschaft langfristig erfolgreich ist. Auch eine gewisse Wertschätzung der Muslime besteht aktuell noch im Westen. Doch wird gerade diese Wertschätzung durch die jüngsten Entwicklungen bedroht. Auf der einen Seite sind es die radikalen Muslime, die immer mehr das westliche Bild vom Islam prägen und den Islam als finstere Gewaltreligion erscheinen lassen. Auf der anderen Seite sind es die westlichen Moralwächter, die bei jeder Kritik am Islam mit der Faschismuskeule drohen. Die Muslime im eigenen Interesse wertzuschätzen, sich aber zugleich der eigenen Stärken bewusst sein ist damit ein weg, der eine fruchtbare Kooperation aus historischer Perspektive möglich macht. Den Päpsten Benedikt XVI. und Franziskus ist das bereits gelungen.

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Kommentare :

  1. Es kann ein gutes Verhältnis zwischen Christen und Mohammedanern geben. Dies anzustreben, verpflichtet uns das Gebot der Nächstenliebe.
    Zum Islam mit seinem absoluten Herrschaftsanspruch und seinem mehr als bedenklichen Verhältnis zur Gewalt halte ich ein gutes Verhältnis für ausgeschlossen.
    Man muß hier sorgfältig zwischen den Mohammedanern, die ja unsere Nächsten sind, und ihrer Religion, die in keiner Weise tolerierbar ist, unterscheiden.

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    1. @Arminius:
      Bzgl. der Nächstenliebe stimme ich dir zu.
      Aber wenn wir den Islam nicht tolerieren, dann haben wir auch kein positives Verhältnis zu den Muslimen. Es geht nicht darum, ihn überall gut zu finden. Aber wir müssen der Haltung der Muslime, Muslime zu sein, mit Respekt begegnen, solange sie sich an, platt gesagt, die Regeln halten, die ausgemacht sind. Und in Europa bedeutet das z.B. keine Scharia! Wer sich daran nicht hält, der muss dann auch mit Konsequenzen rechnen.

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    2. Als Christ muss man aber auch klar haben, dass der Islam, genauso wie alle anderen Religionen, eine falsche Religion ist, auch wenn der einzelne Moslem nichts dafür kann.
      Will hießen, man darf nicht hochmütig werden, weil wir Wahrheit, Weg udn Leben haben, sondern, im Gegenteil darob demütig, aber Christen müssen den schmalen Grad der Liebe in der Wahrheit gehen.
      Und die Toleranz muss zur Liebe führen und die Liebe zur Wahrheit, will heißen wir müssen wollen,dass die uns umgebenden Moslems, wie überhaupt alle Menschen, auch wirklich unsere Brüder und Schwestern im Glauben werden.

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    3. Der Schlussfolgerung pflichte ich bei.

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