Mittwoch, 3. September 2014

Alle Opfer außer Tebartz: Die Unschuld vom Lande am Seelsorgetelefon

Vor kurzem ist die neue Telefonhotline des Bistums Limburg an den Start gegangen. Mitarbeiter des Bistums, die sich von Bischof Tebartz-van Elst ungerecht behandelt fühlen, können dort anrufen. Davon dürfte es einige geben, die unter dem Bischof - nicht notwendigerweise vom Bischof - ungerecht behandelt wurden. Dennoch ist der Kreis nicht auf diese beschränkt, sondern meint alle, die sich irgendwie "ungerecht behandelt fühlen". Denn ob eine ungerechte Behandlung vorlag, ist dann nochmal ein andere Frage. Denn auch wenn es für manche schwer vorstellbar ist: Bischof Tebartz-van Elst muss nicht immer der Böse sein, nur weil sich jemand von ihm ungerecht behandelt oder sonstwie auf den Schlips getreten fühlt.

Ich denke da nur an manche Leute, die einem ernsthaft erzählen, die Augen des Bischofs seien so unheimlich und er habe sie damit sooo böse angeguckt. Da können sich zart besaitete Seelen - von sonstigen Problemen bei solchen Leuten nicht zu reden - schon irgendwie angegriffen fühlen. Darf ich da auch was beisteuern, da mir der Bischof nicht als Erster, sondern nur als Vierter in der Sakristei die Hand gegeben hat?

Daneben gibt es aber auch natürlich Personen, die bis heute nicht verstehen können, warum sie von Tebartz-van Elst eins auf den Deckel bekommen haben und sich total als Opfer klerikaler Willkürherrschaft fühlen, weil der Bischof nicht nach ihrer Pfeife tanzen wollte. So der Arnsteiner Pater Wolfgang Jungheim, über den der SWR zu berichten weiss, er sei wegen Kritik an der Bistumsleitung abgemahnt und schließlich als Seelsorger aus seiner Gemeinde abgezogen worden. Das klingt so, als habe der arme Mann nur mal einen netten Brief mit einigen Verbesserungsvorschlägen an das Ordinariat geschickt und sei daraufhin drakonisch bestraft worden.

Tatsächlich hat sich der hochwürdige Herr, der sicher nicht so genannt werden will, einiges geleistet. Weil er mit dem Bischof liturgisch im Klinsch lag - was interessiert mich nen Rituale - hat er vor dem Bischof während des Hochgebetes Laien am Altar herumspringen lassen und den Bischof in Anwesenheit desselben (!) im Hochgebet weggelassen. Die Aufregung von Tebartz-van Elst darüber schien im schleierhaft zu sein. Auch war er nicht mit dem Lob des Bischofs Roland Koch gegenüber einverstanden und hat das in einem Leserbrief der Bistumszeitung deutlich gemacht. Ansonsten fühlte er sich und seine Gemeinde auch ganz allgemein nicht genug gewürdigt. Als dann der Bischof zu einem Dienstgespräch einen Zeugen mitbrachte, stellte er ein Misstrauen seines Vorgesetzten ihm gegenüber fest - warum nur? Er wurde dann im Rahmen der Strukturreform als Seelsorger seiner Gemeinde kassiert und fand das auch unmöglich. Nach weiteren Queleren, bei denen man im Ordinariat gleichfalls etwas über das Ziel hinausgeschossen ist, hat er dann seine Arbeit für das Bistum beendet, weil man dort nicht des Paters Vorstellungen von Dialog folgen wollte.

Und jetzt? Gibt Pater Jungheim munter das unschuldige Opfer eines bösen Bischofs und macht über dem Skandal Kirchenpolitik. So fordert er umfassende Strukturreform mit mehr Beteiligung der Gemeinde vor Ort. Denn die hat ihren Seelsorger ja alles machen lassen, was er wollte.
Das scheint denn auch ein weit verbreitetes Problem bei vielen im Bistum gewesen zu sein. Auch ein Grund, sich betroffen zu fühlen.

Artikel über P. Jungheim hier und zum Hintergrund hier.
Zu meiner eigentlich positive Haltung zum Seelsorgetelefon vgl. hier.

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