Samstag, 9. August 2014

Patrick Dehm im Interview. Die Ich-Ag schlägt zurück

Die neue Seelsorgehotline des Bistums Limburg hat schon einige Furore gemacht. Auch ich habe sie hier schon besprochen und sie als einen Schritt zur Versöhnung und Aufarbeitung bezeichnet. Andere fanden weniger zustimmende Worte. So bemerkte der Kreuzknappe hier, man könne sich in Limburg wohl über die Verletzungen durch Tebartz-van Elst beschweren, aber nirgendwo Pro-Bischof anrufen. Wesentlich schärfer war der Protest von Patrick Dehm gegen die Hotline. Dehm, vormals Mitarbeiter des Bistums Limburg, beklagte im Hr, das Gesprächsangebot sei eine Mogelpackung.

Am wichtigsten für ihn ist dabei ein Umstand, der mit der Hotline an sich nichts zu tun hat. Nämlich dass jene, die einst an seiner Entlassung beteiligt waren, immer noch im Ordinariat Dienst tun. Man sieht regelrecht den Schaum vor dem Mund des Herrn, wenn er die Köpfe seiner Gegner fordert. Man müsse endlich aufräumen und alle, die unter Tebartz-van Elst eine Führungsposition eingenommen und am "System Tebartz" beteiligt waren, rauswerfen. Erst dann sei er gerächt ... ähm könne Versöhnung stattfinden. Das Versöhnung hier ein anderes Wort für Sieg einer Partei darstellt, nimmt Herr Dehm nicht war.

Menschlich verständlich und menschlich arm

Sein Furor gegen alle, die an seiner Entlassung mittelbar oder unmittelbar beteiligt waren, ist menschlich sehr verständlich. Er ist zugleich aber auch menschlich sehr arm.
Denn natürlich hat Dehm recht, wenn er meint, dass es in einigen Fällen Mittel im Ordinariat angewandt wurden, die den christlichen Ansprüchen, die Kirche an sich selber stellen sollte, nicht genügen. Zugleich wird Herr Dehm aber auch den Ansprüchen, die ein Christ an sich selber stellen sollte, nicht gerecht. Denn anstatt Versöhnung fordert er Aufräumen, anstatt die andere Wange hinzuhalten verlangt er die Beseitigung seiner Gegner. Die anderen sollen also christlicher sein als er.

Fatale Konsequenzen für die Verwaltung

Wie emotional aufgeladen der Beitrag Patrick Dehms noch ist, wird deutlich, wenn man überlegt, welche Konsequenzen aus seiner Umsetzung erwachsen würden. So wünscht Dehm die Auswechslung praktisch sämtlicher Führungsstellen im Ordinariat, namentlich genannt der Justiziar und der persönliche Referent des Altbischofs. Auch die Dezernentin für Familie und Jugend steht offenbar auf seiner Abschlussliste. Würde man Dehms Forderung nachkommen, würden nicht nur zahlreiche Personen ihren Job verlieren und damit auch viele Familien schwere Schicksalschläge erleiden. Auch müsste man eine komplett neue Führungsmannschaft für das Ordinariat beschaffen. Damit kämen aber faktisch alle laufenden Vorgänge zum erliegen oder würden massiv verzögert, da sich die Neuen erst einarbeiten müssten. Für ein Bistum im organisatorischen Wandel eine Katastrophe.

"Heiliger Ungehorsam" als neue Primärtugend

Als neue Primärtugend für kirchliche Mitarbeiter hat Dehm den "heiligen Ungehorsam" ausgerufen. Damit wünscht er sich quasi einen Zustand ständiger Opposition. In unserer Gesellschaft sollte es zwar keinen Kadavergehorsam mehr geben. Aber mit fortwährender Ausführungsverweigerung bei Nicht-Gefallen kann keine Verwaltung arbeiten. Schön ist auch Dehms Formulierung, immer das "offene Gespräch" gesucht zu haben. An sich ist das eine lobenswerte Einstellung, doch zeigt es wiederum das übersteigerte Selbstbewusstsein Dehms. Denn er verlangt ja faktisch von seinen Vorgesetzten, dass sie ihm gefälligst zuzuhören haben und mosert rum, wenn er sich nicht genug berücksichtigt fühlt. Menschlich gesehen wieder vollkommen verständlich und in Maßen auch angemessen. Das aber für eine besondere Tugend zu halten und es quasi zum Funktionsprinzip der kirchlichen Verwaltung machen zu wollen, bedeutet praktisch die Auflösung effizienter Arbeit in einer semianarchischen Debattenkultur.

Dehm hat nichts dazu gelernt

Unbestreitbar hat Dehm wenig bis nichts dazugelernt. Er geht immer noch von sich selber aus und erhebt seine Vorstellungen von Kirche und Handeln zum Maß aller Dinge. Regelrecht drollig ist de Formulierung, man müsse mehr Gottes Willen folgen als dem des Generalvikars. Man könnte meinen, das Ordinariat befindet sich im Krieg und der Generalvikar hat Massenerschießungen angeordnet. Man stelle sich vor, ein Finanzbeamter erklärt seinem Chef, er könne aus Gewissensgründen Steueranträge von Familien mit vier Kindern nicht bearbeiten. Er wird auf viel Verständnis stoßen und den Rat erhalten, Steuerberater zu werden. So hat auch Patrick Dehm das Wesen von Verwaltung, die hierarchisch funktioniert und auf weitgehenden Gehorsamsstrukturen aufbaut, nicht verinnerlicht. Von daher ist es für ihn gut, dass er jetzt ungebunden und "freier" ist. Dafür wünsche ich ihm viel Glück.

Kirche ist keine Ich-Ag

Denn zu einem Selbstständigen passt seine Einstellung viel besser als zu einem weisungsgebundenen Mitarbeiter. Selbst Johannes zu Eltz, der allgemein als Muster an Diskretion und nobelster Zurückhaltung gilt, meinte im neuesten Pamphlet "Der Fall Tebartz-van Elst", Dehm sei nicht für seine Zurückhaltung bekannt. Das ist er auch weiterhin nicht und es muss gefragt werden, ob er sich damit besonders gut tut. Zwar ist es kein Wunder, sich über seinen vormaligen Arbeitgeber aufzuregen, der einen entlassen hat. Wer das aber in so scharfer Form und bestechend rechthaberisch tut, empfielt sich auch sonst nicht für einen Leitungsposten und bildet besser mit sich selbst eine Ich-Ag. In der Kirche dürfte er es aber schwer haben. Denn die ist keine Ich-Ag.

Kommentare :

  1. Zitat: »Man müsse endlich aufräumen und alle, die unter Tebartz-van Elst eine Führungsposition eingenommen und am "System Tebartz" beteiligt waren, rauswerfen.«

    Wohlan… wenn das ganze Domkapitel entlassen würde, wäre das ja schon einmal ein Anfang…

    *flöt*

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    1. Dagegen hätte Patrick Dehm wohl auch nichts. Zumindest Johannes zu Eltz wird er wohl nicht nachtrauern. Da wäre er aber auch nicht allein und wir hätten was gemeinsam.

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