Dienstag, 5. August 2014

Ignatius von Loyola, ein Pilger am Beginn der Neuzeit

WikiCommons Thomas Gun
Ganzer Artikel bei hinsehen.net hier.

Der Baske Inigo, Erfinder der Exerzitien, verstand sich als Pilger.

Das Innere gerät in Bewegung

Die Pilgerschaft führt ihn zuerst in die eigene Seele, jedoch nicht als Selbstanalyse. Er konfrontiert sein Ich mit den Berichten der Evangelien und den dort aufgezeichneten Worten Jesu. Seine Entdeckung: In der Meditation der Evangelientexte gerät das Innere in Bewegung. Zuerst führt ihn das in die Erkenntnis, dass sein bisheriges Leben von Ehrgeiz und Stolz regiert war und er auf seinem bisherigen Weg keine Grenzlinie zur Sünde gezogen hat. Als Sohn eines Adeligen überfällt ihn Scham, nämlich Gott, der über jedem König steht, beleidigt zu haben. Nach dieser Reinigung, die noch ganz in den Kategorien mittelalterlicher Vorstellungen geschieht, öffnet sich ihm das Tor in die Neuzeit mit der Frage: Was fange ich mit meinem Leben an?

Unterscheidung der Geister

In dem Ringen in Manresa durchströmen den Pilger unterschiedliche Gefühlswellen. Er muss die „Geister unterscheiden“ lernen. Denn einmal vernimmt er die Stimme des Teufels, die ihm die Unmöglichkeit vor Augen stellt, diesen strengen religiösen Weg durchzuhalten. Vorher suchten ihn Selbstmordgedanken heim, ehe er lernte, auf die Barmherzigkeit Gottes zu vertrauen. Dann hat er mystische Erfahrungen, die er eindeutig dem Geist Gottes zuschreiben kann.

Innere Freude über die Berufung

Innere Freude ist ein weiterer deutlicher Hinweis. Wer seinen Berufungsauftrag gefunden hat, spürt Freude, obwohl dieser Auftrag ihm einiges abverlangt. Er ist wie ein Schatz, den der für sein Leben Offene gefunden hat, ein Schatz zudem, der sich nicht verbraucht. Die Freude kommt auch daher, dass endlich das Besondere für mich gefunden habe. Ich bin da angekommen, wo nur ich genau Bescheid weiß. Andere können mich abhalten oder bestärken. Aber ob sie mich entmutigen oder nur vor einem falschen Schritt warnen, ob sie mich bestärken oder mich nur für das Interesse einer Institution, einer Firma einsetzen, kann nur ich erkennen, nämlich daran, ob es mein Leben sein wird.

Gott wirkt in allem

Es sind also einmal die Talente, die dem einzelnen den Weg zu seiner Einmaligkeit ermöglichen. Dann sind es besondere Erfahrungen, die Neues eröffnen. Darunter liegen Gefühle, die tragen, wenn eine Entscheidung zu treffen, die dem Lebensschiff einen bestimmten Kurs gibt. Ich muss zwar überlegen und abwägen, aber die Kraft, mich zu entscheiden, kommt aus dem Gefühl.
Wenn sich das Innere auf Gott ausgerichtet hat, dann erkennt der Mensch mit allen Sinnen, wie Gott in allem Geschaffenen mit seiner Liebe wirkt.

Eckhard Bieger S.J.

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...