Samstag, 23. August 2014

Diadochus: Wider die Geschwätzigkeit

70) Wie die Tür des Bades, wenn sie fortwährend offensteht, die im Innern befindliche Wärme schneller nach außen strömen läßt, so zerstreut auch die Seele, wenn sie viel zu anderen reden will, durch die Tür der Sprache ihr Gedächtnis, auch wenn alles gut ist, was sie sagt. Darum wird schließlich der Geist seiner bedeutenden Einsichten beraubt, und wenn er die zusammengeballte Masse seiner Worte an die Zuhörer richtet, wirkt dies für sie in gewisser Weise lästig. Er besitzt ja künftig auch den Heiligen Geist nicht (mehr), welcher mit dazu beiträgt, daß das Denken der Seele frei von Vorstellungen bleibt. Es flieht das Gute nämlich stets die Geschwätzigkeit, da es jeglicher Verwirrung und Wahnvorstellung fremd ist.
Gut ist also das Schweigen zur rechten Zeit; ist es doch nichts anderes als die Mutter weisester Einsichten.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in: Philokalie, Bd. 1

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