Mittwoch, 20. August 2014

Diadochus: Neue Probleme auf dem geistlichen Weg

Diadochus geht heute auf Probleme ein, die sich beim Fortschreiten auf dem geistlichen Weg ergeben. Denn zu Beginn erfährt man oft emotionale oder geistige Wirkungen dieses Weges, später stellen sich jedoch dann neue Kämpfe, Sorgen und Trockenheiten ein.

69) Anfangs umstrahlt die Gnade die Seele gewöhnlich unter deren großen Anteilnahme mit dem ihr eigenen Licht. Nehmen aber die Kämpfe ihren Fortgang, wirkt sie ihre Geheimnisse für die Seele, die von Gott spricht, zumeist unbemerkt. Sie will uns dann einerseits unter großer Freude auf die Spur der göttlichen Erkenntnisse bringen — werden wir doch aus der Unwissenheit zur Erkenntnis gerufen — und andererseits unsere Erkenntnis inmitten der Kämpfe frei von eitler Ehrsucht bewahren.

Wir sollen uns also maßvoll betrüben, da wir verlassen wurden, um uns noch mehr zu verdemütigen und uns der Ehre des Herrn zu unterwerfen; doch sollen wir uns auch angemessen freuen darüber, daß wir mit der guten Hoffnung beflügelt werden. Wie nämlich die viele Betrübnis die Seele in Verzweiflung und Mißtrauen versetzt, so ruft sie auch die viele Freude zur Anmaßung auf— bei jenen, die noch Kinder sind, will ich sagen. Denn in der Mitte zwischen Erleuchtung und Verlassensein steht die Prüfung und in der Mitte zwischen Betrübnis und Freude die Hoffnung.

Es heißt ja: "Ich harrte, ja ich harrte auf den Herrn, und er gedachte meiner." Und wiederum: "Entsprechend der Menge der Qualen in meinem Herzen haben deine Tröstungen meine Seele erfreut.“

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in: Philokalie, Bd. 1

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