Dienstag, 22. Juli 2014

Richte in der Depression deinen Blick auf Gott

58) Wenn unsere Seele beginnt, nicht mehr nach den angenehmen Früchten der Erde zu verlangen, dann dringt in der Regel eine Stimmung der Unlust unbemerkt in sie ein, welche ihr weder gestattet, sich freudig dem Dienst am Wort zu widmen, noch ein durchdringendes Verlangen nach den zukünftigen Gütern für sie zurückläßt. Aber auch dieses vergängliche Leben läßt diese Stimmung in den Augen der Seele übertrieben nutzlos erscheinen, da es angeblich kein Werk aufweist, welches man als Tugend bezeichnen könnte. Und selbst die Erkenntnis wertet sie mit dem Vorwand ab, daß sie auch vielen anderen bereits gewährt worden sei oder uns nichts Zutreffendes mitteile.
Diesem lauen und abstumpfenden Gemütszustand werden wir entkommen, sofern wir unserem Denken äußerst enge Grenzen auferlegen, indem wir allein auf das Gedenken Gottes blicken. Denn nur wenn der Geist auf diese Weise zu seiner eigenen Glut zurückeilt, wird er imstande sein, sich von jener unsinnigen Zerstreuung zurückzuziehen.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, aus: Philokalie, Bd. 1

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