Sonntag, 20. Juli 2014

Moderne Leistungsgesellschaft und der beschenkte Gläubige

Foto: KAS-ACDP
Einige Ausschnitte aus einem längeren Artikel auf hinsehen.net hier.

Leistung als Selbstermächtigung

Leistung ist in der idealen Vorstellung der Schlüssel zum Erfolg. Das macht diese Form des Erfolges so attraktiv, weil man ihn sich selber verdankt. Es ist damit eine Form von Freiheit. Freiheit von Zwang und Abhängigkeiten, die man durch Willen und Fähigkeiten überwindet. Man könnte von der Leistung als Instrument der Selbstermächtigung sprechen.

Bleibende Attraktivität der Leistungsgesellschaft

Dabei kann dieses Konzept auch Angst machen. Denn gerade die moderne Leistungsgesellschaft steht in der Kritik, wird als unsozial bezeichnet, da sie den schwachen am Wegesrand zurücklässt. Doch ist die Attraktivität der Leistungsgesellschaft nach wie vor ungebrochen. Zum einen, weil sie die Überwindung von traditionellen, auf Abstammung basierenden Erfolgskonzepten verheißt. Zum anderen, weil es jedem Menschen einsichtig ist, dass jener, der mit Fleiß und harter Arbeit etwas erreicht hat, auch die Früchte dieses Erfolges genießen darf.

Das Heil kann sich der Mensch nicht verdienen

Diesem Leistungskonzept setzt das Christentum eine andere Vorstellung gegenüber. Zwar kennt auch das Christentum gewisse Leistungsvorstellungen und manche Frömmigkeitsformen setzen darauf, sich durch besondere Leistungen den Erfolg, also den Himmel oder das Heil, zu verdienen. Doch sind diese Formen, besonders in ihren radikalen Varianten, von der Kirche zumeist mit Misstrauen beobachtet worden. Und die meisten der großen Autoren des Christentums waren sich darin einig, dass die Abhängigkeit des Menschen von Gott größer ist als die eigenen Leistungsmöglichkeiten des Gläubigen. Das Heil kann sich der Mensch nicht verdienen, weil er dazu als sündiges, begrenztes Geschöpf nicht in der Lage ist.

Der Himmel ist kein knappes Gut

Drastisch ist auch der Unterschied im Bereich des Erfolges. Denn der ist in der Religion nicht durch Geld, Macht oder Ruhm greifbar, sondern durch die himmlische Seligkeit, durch Erlösung oder durch Heiligkeit. Das sind aber keine knappen Güter. Gott stellt seinen himmlischen Güter in Überfülle zur Verfügung. Anders als bei der Fifa ist nicht derjenige der Gewinner, der als Letzter übrig bleibt, weil nur einer den Kampfpreis gewinnen kann. Es wird sogar derjenige besonders gesegnet, der am Ende möglichst viele auf die Ehrentribüne zu Gottvater mitbringt. Als „Heiliger Rest“ vor Gott zu treten, ist für den Christen immer eine Niederlage, für den Erfolgsmenschen der Leistungsgesellschaft hingegen ist der Gipfel einsam.

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