Donnerstag, 24. Juli 2014

Diadochus von Photike über das Jesus-Gebet

59) Wenn wir alle Ausgänge unseres Geistes mit dem Gedenken Gottes verstopfen, verlangt er von uns unbedingt eine Tätigkeit, welche seine Geschicklichkeit ausfüllen soll. So soll man ihm also allein das "Herr Jesus" geben als vollständige Bemühung um sein Ziel. "Niemand", so heißt es nämlich, "sagt Herr Jesus, wenn nicht im Heiligen Geist. So soll denn der Geist auf diese Weise diesen Ausspruch durchweg in seinen Gemächern eingeengt betrachten, damit er sich nicht zu so manchen Vorstellungen abwende.
Denn alle jene, welche diesen heiligen und herrlichen Namen unaufhörlich in der Tiefe ihres Herzens betrachten, vermögen zuweilen sogar das Licht ihres Geistes zu sehen. Wird er nämlich vom Denken mit enger Besorgnis festgehalten, brennt er allen Schmutz, welcher an die Oberfläche der Seele gelangt, unter ihrer deutlichen Anteilnahme nieder. "Denn unser Gott", heißt es, "ist ein verzehrendes Feuer für die Schlechtigkeit."
Darum fordert der Herr die Seele nunmehr zu großer Liebe zu seiner Herrlichkeit auf. Verweilt nämlich jener herrliche und heißer-sehnte Name durch das Gedenken des Geistes lange Zeit in der Glut des Herzens, so flößt er uns ohne Zweifel die Fähigkeit ein, die Güte des Herrn zu lieben, ohne daß uns fürderhin etwas daran hindert. Der Herr nämlich ist die kostbare Perle, die man, hat man all seinen Reichtum verkauft, erwerben , und über deren Auffinden man unaussprechliche Freude empfinden kann.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, aus: Philokalie, Bd. 1

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