Dienstag, 8. Juli 2014

Diadochus: Nichts hindert daran, zur Zeit der Krankheit einen Arzt herbei zurufen

Diadochus sagt eigentlich etwas ganz selbstverständliches: Wenn ich krank bin, dann gehe ich zu einem Arzt. Wäre ja unsinnig, wenn nicht. Doch es gab in der Zeit des Diadochus einige Menschen, die der Meinung waren, keines Arztes zu bedürfen, sondern lieber ganz allein darauf vertrauten, Gott werde sie trösten und heilen. Eine solche grundsätzliche Haltung weist Diadochus zurück. Wer krank ist, der kann einen Arzt besuchen, es widerspricht nicht dem Vertrauen auf Gott. Wer aber in der Einsamkeit lebt, weit weg von jedem Arzt, der kann sein Vertrauen auch ganz auf Gott setzen. Zugleich verweist Diadochus auch auf eine Haltung für alle, denn nicht der Arzt an sich heilt uns, sondern Christus ist es, der über unser Schicksal bestimmt.
53) Nichts hindert daran, zur Zeit der Krankheit einen Arzt herbei zurufen. Denn da man einst Sorge trug, diese Kunst mittels der menschlichen Erfahrung zusammenzutragen, darum waren auch die Heilmittel schon vor uns da. Doch darf man die Hoffnung auf Heilung nicht auf diese setzen, sondern auf unseren wahren Heiland und Arzt, Jesus Christus.
Dies sage ich für jene, die in den Klöstern und den Städten das Ziel der Enthaltsamkeit verwirklichen. Denn es ist ihnen aufgrund ihrer besonderen Lebensumstände nicht möglich, sich unaufhörlich durch die Liebe der Wirkung des Glaubens zu erfreuen. Vor allem aber sollen sie nicht der eitlen Ehrsucht und der Versuchung des Teufels verfallen, weswegen manche von ihnen vielfach verkünden, keines Arztes zu bedürfen.
Führt aber jemand an einem einsameren Ort nur inmitten zweier oder dreier gleichgesinnter Brüder ein zurückgezogenes Leben, so soll er sich allein dem Herrn, der all unsere Krankheit und Schwachheit heilt, im Glauben ausliefern, selbst wenn er in alle möglichen Leiden gerät. Er hat ja nach dem Herrn die Einsamkeit als ausreichende Trösterin seiner Krankheiten. Darum leidet ein solcher auch niemals Mangel an der Wirkung des Glaubens, vor allem da er auch niemals feststellt, daß seine aus der Geduld fließende Tugend irgendwo zur Schau gestellt wird; erfreut er sich doch des vortrefflichen Vorhangs der Einsamkeit. Darum nämlich läßt einen der Herr einsam im Hause wohnen.
Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in: Philokalie, Bd. 1.

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