Montag, 14. Juli 2014

Diadochus: Die Seele hängt an den Wünschen des Leibes

54) Wenn wir gegen die uns widerfahrenden leiblichen Unregelmäßigkeiten sehr aufgebracht werden, dann müssen wir wissen, daß unsere Seele noch den Begierden des Leibes dienstbar ist. Darum will sie sich aus Sehnsucht nach den materiellen Annehmlichkeiten auch nicht von den Genüssen des Lebens zurückziehen, sondern hält es für eine große Behinderung, durch ihre Krankheiten die Früchte des Lebens nicht genießen zu können. Nimmt sie aber die krankheitsbedingten Beschwerden dankbar an, so kann man daran erkennen, daß sie nicht weit von den Grenzen der Leidenschaftslosigkeit entfernt ist. Darum erwartet sie dann auch den Tod ungeduldig und mit Freuden, da er vielmehr die Ursache des wahren Lebens ist.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, aus: Philokalie, Bd. 1

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