Montag, 7. Juli 2014

Diadochus: Auf das Gute um des Besseren Willen verzichten

Sollte man auf etwas Gutes verzichten? Dafür gibt es keinen Grund, es sei denn, man kann dadurch etwas Besseres erreichen. So ist es z.B. gut, wenn man sich mit Freunden trifft. Wenn man aber an diesem Tag dadurch gar keine Zeit mehr für seine Arbeit - oder in meinem Fall seine Diss  - hat, dann ist es Besser, das ganze etwas abzukürzen oder es diesmal sein zu lassen. Auch Diadochus bringt ein Beispiel, diesmal aus dem Bereich des öffentlichen Bades:

52) Sich ins Bad zu begeben wird wohl niemand als sündhaft oder widersinnig bezeichnen. Wenn man aber aus Enthaltsamkeit auch darauf verzichtet, so nenne ich dies sowohl mannhaft als auch äußerst sittsam. Denn (dann) verweichlicht jenes angenehme Naß nicht unseren Leib, noch werden wir an die ehrlose Nacktheit Adams erinnert. Wir sollen ja auch um die Blätter jenes ersten Menschen Sorge tragen, um die zweite Ursache der Schande zu bedecken. Und vor allem wir, die wir noch vor kurzem dem gänzlichen Verderben des Lebens entlaufen sind, müssen uns durch die Reinheit unseres Leibes mit der Schönheit der Sittsamkeit vereinen.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in: PHilokalie, Bd. 1.

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