Mittwoch, 11. Juni 2014

Wer braucht Christen, wenn er Freunde hat? Zum Auszug von Bischof Tebartz-van Elst


Die Familie von Franz-Peter Tebartz-van Elst hat diese Woche bekannt gegeben, das der Limburger Altbischof im September seine Wohnung in Limburg verlassen und eine neue im Bistum Regensburg beziehen wird. Damit ist die Causa TvE noch lange nicht beendet, aber ein wichtiger Schritt zu ihrer Lösung ist vollzogen. Wie und mit welcher Begleitmusik der Umzug abläuft, ist daher bezeichnend.

Nächstenliebe? Nein Danke!

Denn wer sich dieser Tage in Limburg und besonders im vor Kurzem der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Bischofsgarten umhört, der hat nicht das Gefühl, hier walte tiefe christliche Nächstenliebe. Glücklichere Aussagen sind es schon, wenn nur bedauert wird, dass es so lange gedauert hat, bis man den Bischof endlich los ist. Oft schäumt noch immer der Volkszorn über den schrecklichen Protzbischof, der endlich weg müsste, am besten verarmt und staatsanwaltsverfolgt. Diesen Kommentaren setzte heute Daniel Deckers die journalistische Krone auf, indem er fabulierte, Tebartz-van Elst könne seine Wohnung ja noch bis September "genießen". Als ob es ein Genuss wäre, auf dem Domberg praktisch eingesperrt zu sein und, wie Pfarrer Rösch meinte, nicht mal Brötchen holen zu können, ohne aufzufallen. Der frapierende Mangel an christlicher Nächstenliebe, auch bei bekennenden Mitgliedern der Kirche, wurde in dieser Causa überdeutlich.

Unterstützer sind Familie und Freunde

Betrachten wir hingegen die Unterstützer und Helfer des Limburger Bischofs. Gerade im Schreiben der Familie treten sie uns wieder sehr deutlich gegenüber. Es sind zuerst die eigenen Verwandten, die Bischof Franz-Peter in dieser schweren Zeit beistehen, die sich für ihn einsetzen und bei denen er Zuflucht findet. Gerüchteweise hat der Bischof mit seinem Bruder das Osterfest verbracht, was man ihm nur wünschen kann. Daneben tritt Bischof Voderholzer ins Licht, der dem Altbischof sein Bistum angeboten hat, um hier einstweilen zu bleiben. Voderholzer wiederum gehört zum Kreis um Kardinal Müller, der wiederum stark mit Tebartz-van Elst sympathisiert und ihn noch lange verteidigt hat. Entsprechend ist die Einladung nach Regensburg kein Zufall, hier wirken noch alte Verbindungen und Sympathien. Das ist ja auch nicht schlimm, sondern es ist der natürliche Lauf der Dinge, dass wir von Menschen, die uns nahestehen, eher unterstützt werden, also von solchen, die uns eher fern stehen. Aber ist das eine christliche Haltung?

Kein geistliches Profil in der Causa Limburg

Die cartias proximi, die Nächstenliebe, nicht nur für die eigenen Leute, sondern für alle Menschen, ist eine der wichtigsten Eigenschaften des Christentums und zugleich auch jene, die uns von den anderen Religionen unterscheidet. Denn die Beistandsaufforderung Jesu gilt im Grundsatzfür allen Menschen, gleich welcher Religion, besonders aber den Verzweifelten, den Schwachen und den Verfolgten. Man denke nur daran, dass der ehemalige Staatsratsvorsitzende Erich Honecker und seine Frau nach Verlust von Amt und Würden bei einem evangelischen Pastor unterkamen, der damit ein beeindruckendes Zeichen der Nächstenliebe gegeben hat. Die Attacken, die gegen Bischof Tebartz-van Elst auch durch bekennende Christen geritten wurden und die Gleichgültigkeit, mit der auch seine Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Dienst darauf reagierten, zeigen hingegen einen frappierenden Mangel an geistlichem Profil bei der Bewältigung dieser Krise. Es sind die Verbindung der Welt, Familie, Freundschaften und Fraktionszugehörigkeit, die Bischof Franz-Peter jetzt glücklicherweise durch diese Lebenskrise helfen. Eine Empfehlung für die deutsche Kirche ist das nicht.

1 Kommentar :

  1. Frankfurter Dekan zu Eltz über den bisherigen Limburger Bischof Tebartz-van Elst: „Es ging nur vordergründig um Geld. Tebartz war kein Verschwender und kein Protzbischof…. Der Bischof war kein Wüterich, er hatte Manieren und ein gewinnendes Auftreten.“
    s.h. http://kath.net/news/46333 - Hat der Limburger Wolf Kreide gefressen?

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