Montag, 30. Juni 2014

Die Kämpfe des geistlichen Lebens sind bitter

51) Unser Herr und Lehrmeister dieses (unseres) heiligen Lebenswandels Jesus Christus wurde bei seinem Leiden von denen, die den teuflischen Anordnungen dienstbar waren, mit Essig getränkt. Er wollte uns dadurch, so scheint es mir, ein leuchtendes Beispiel dafür hinterlassen, wie die heiligen Kämpfe aussehen sollen. Die Kämpfer wider die Sünde dürfen sich nämlich nicht, so sagt er uns (damit), der wohlschmeckenden Speisen oder Getränke bedienen, sondern sie sollen vielmehr die Bitternis der Schlacht mit Ausdauer ertragen.

Es komme aber zum Schwamm des Spottes auch der Ysopzweig hinzu, damit die Form unserer Reinigung dem Vorbild vollkommen gleiche. Denn das Bittere ist den Kämpfen eigen, doch die reinigende Wirkung ganz sicher der Vollendung.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in: Philokalie, Bd 1.

Kommentare :

  1. Der Essig, bzw das Essigwasser aus der Feldflasche des Soldaten, mit der Jesus "getränkt" wurde, war die Limo der Antike und gehörte zur Standartausstattung der (sicherlich nicht gerade anspruchslosen) römischen Soldaten. Auch der Schwamm gehört zu dieser Ausstattung und ist Teil des Trinkgeschirrs. Von "Bitternis" kann da wohl keine Rede sein.

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    1. Ich freue mich, dass du auch meine geistlichen Sentenzen hier liest.

      Insoweit es sich hier um einen geistlichen Text handelt, muss der natürlich keine genaue historische Korrektheit besitzen. Diadochos scheint diesen Ausrüstungsteil zumindest nicht mehr gekannt zu haben - was für den Historiker einen Schluss auf seine Verwendung zulässt.

      Dessen ungeachtet kann auch ein bitteres Getränk qualitätsvoll sein, sodass die Ausführungen des Diadochos zumindest nicht grundsätzlich dem Geschmack des Getränkt widersprechen.

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