Dienstag, 17. Juni 2014

Diadochus von Photike: Wir müssen uns also des rechten Maßes bedienen

49) Schwimmt unser Geist in der Flut des übermäßigen Trinkens, dann blickt er nicht nur voller Leidenschaft auf die Bilder, die von den Dämonen im Schlaf gebildet werden, sondern er formt auch in sich selbst so manch stattliche Gesichte und verkehrt auf diese Weise glühend mit seinen eigenen Vorstellungen gewissermaßen wie mit Geliebten. Denn wenn die Organe des Beischlafs durch die Wallung des Weines erglühen, so ist der Geist notwendigerweise gezwungen, sich einen angenehmen Schatten der Leidenschaft vor Augen zu stellen.

Wir müssen uns also des rechten Maßes bedienen und so den Schaden fliehen, der aus dem Übermaß erwächst. Hat nämlich der Geist keine Berührung mit der Lust, die ihn dazu hinabzieht, sich die Sünde vorzumalen, dann bleibt er ganz ohne Vorstellungen und wird in seiner Überlegenheit nicht verweichlicht.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in: Philokalie, Bd 1.

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