Montag, 2. Juni 2014

Diadochos: Enthaltsamkeit ist mehr als Fasten und kein Sex

42) Die Enthaltsamkeit erhält von allen Tugenden insgesamt ihren Namen. Es muß also der Kämpfer in allen Dingen enthaltsam sein. Denn wie das Entfernen eines noch so kleinen Gliedes die ganze Statur des Menschen verunstaltet, mag das Fehlende auch gering sein, so löscht auch der Kämpfer, wenn er selbst eine einzige Tugend vernachlässigt, die ganze Zierde der Enthaltsamkeit aus, ohne es zu wissen.
Man muß sich also nicht nur um die Tugenden des Leibes bemühen, sondern auch um jene, die unseren inneren Menschen zu reinigen vermögen. Denn was hat jemand davon, daß er seinen Leib jungfräulich bewahrt hat, wenn er mit seiner Seele mit dem Dämon der Unzucht buhlt? Oder wie soll der bekränzt werden, welcher sich zwar von Völlerei und jeglicher Begierde des Leibes ferngehalten, doch nicht um seine Anmaßung und Ehrsucht gekümmert hat? Und wenn er zudem nicht die kurze Bedrängnis der Waagschale erträgt, die bei jenen das Licht der Gerechtigkeit aufwiegen soll, welche die Werke der Gerechtigkeit im Geist der Demut vollbracht haben?

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in: Philokalie, Band 1.

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