Montag, 19. Mai 2014

Abbas Philemon

Neben vielen geistlichen Schriften enthält die Philokalie auch einige erbauliche Biographien. Unter anderem die von Abbas Philemon, die uns das Ideal eines strengen Asketen und großen Eremiten vor Augen stellt:

Man sagte vom Abbas Philemon, dem Anachoreten, daß er sich in einer Höhle eingeschlossen hatte, die nicht weit entfernt war von der sogenannten Laura der Römer, und in den Kämpfen der Askese ausharrte, wobei er seinem Denken jenes Wort vorsagte, das (auch) der große Arsenios angeblich zu sich selbst gesprochen hatte: "Philemon, warum bist du ausgegangen?" Er verharrte also in der Höhle geraume Zeit, wobei er Stricke herstellte und Körbe flocht, die er dem Ökonom aushändigte, um von ihm kärgliches Brot zur Nahrung zu erhalten. Er aß nämlich nichts als Brot und Salz, und dies Tag für Tag. Darum sorgte er in keiner Weise für sein Fleisch, sondern widmete sich der Beschauung und erhielt dadurch Zugang zur göttlichen Erleuchtung. Und so wurde er in die unaussprechlichen Mysterien eingeweiht und verweilte in der Freude. Ging er am Samstag und Sonntag in die Kirche, lief er allein und gedankenversunken einher, ohne es jemandem zu gestatten, sich ihm zu nähern, damit sein Geist nicht von der Tätigkeit abgelenkt werde, welche er betrieb. In der Kirche aber stand er in der Ecke, drückte ein Antlitz zu Boden und vergoß Ströme von Tränen; denn er befand sich unaufhörlich in Trauer, hatte stets das Gedenken des Todes und das Vorbild der heiligen Väter vor Augen, vor allem jenes des großen Arsenios, in dessen Fußstapfen er zu treten bestrebt war.


Philokalie, Band 2.

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