Donnerstag, 3. April 2014

Traue am besten keinem Traumgesicht

38) Wir haben von der Unterscheidung zwischen guten und schlechten Traumgesichten gesprochen, wie wir es von jenen vernommen, die es erfahren haben. Es soll uns aber zur Erlangung großer Tugend genügen, überhaupt keiner Erscheinung zu trauen. Denn die Träume sind in der Regel nichts anderes als Gedankenbilder oder andererseits, wie gesagt, Hohn von Dämonen. Selbst wenn uns aber einmal von der Güte Gottes ein Gesicht herabgesandt wird und wir es nicht zulassen, wird uns der heißersehnte Herr Jesus deswegen nicht zürnen. Er weiß ja, daß wir aufgrund der Ränke der Dämonen dazu kommen.
Denn die vorgenannte Unterscheidung ist zwar zuverlässig; doch kommt es vor, daß sich die Seele unbemerkt verunreinigt, indem sie sich irgendwie mit fortreißen läßt — wovon, wie ich meine, offensichtlich niemand ausgeschlossen ist —, sie dadurch die Spur der genauen Unterscheidung verliert und den unguten Dingen Vertrauen schenkt, als seien sie gut.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, in: Philokalie, Band 1.

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