Montag, 21. April 2014

Ostern: Christsein feiern

Bildquelle hier.
Liebe Freunde,

zum Ausklang des Ostermontages und dem Beginn der Osterzeit eine kleine Meditation über das Osterfest:

Ohne Ostern können wir die Kirche dicht machen

Ostern ist ein Feiertag. Und viele von uns waren daher auf einer Feier, zumeist mit mehr oder weniger geliebten Familienmitgliedern. Mancher war auch mit Freunden unterwegs. Es gibt viele Gründe warum man sich zum Feiern trifft. Religiöse Festtage, Geburtstage, Trauungen, Abschlussfeiern, sogar Beerdigungen sind Feiern. Doch warum treffen sich in diesen Tagen so viele zum Feiern? Ja, weil halt Ostern ist. Und? Warum ist das wichtig? Bei Geburtstagen ist es z.B. klar, man feiert, dass jemand geboren wurde. Es geht um eine Person. Bei Abschlussfeiern geht es um die überstandene Zeit und neue Perspektiven, die sich öffnen können. Und bei Trauungen geht es um die gemeinsame Beziehung, die Basis, die zwei Menschen verbindet.

Aber worum geht es an Ostern? Gut, da ist Christus auferstanden. Und Christus war ja eine bedeutende Persönlichkeit der Weltgeschichte, da kann man ein wichtiges Ereignis in seinem Leben schon begehen. Aber bedeutet Ostern nicht mehr für uns? Ich sage ja. Denn ohne Ostern können wir die Kirche dicht machen. Ohne die Auferstehung ist Christsein nicht möglich. Aber durch Ostern wird Christsein wirklich, wirksam und von Ostern aus lässt sich Christsein verstehen. So will ich heute versuchen, drei Aspekte von Christsein anhand von Ostern aufzuzeigen. Und weil Ostern so ein wichtiger Feiertag ist, sollen es nicht irgendwelche Aspekte sein. Sondern die drei geistlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe.

Wegen Ostern können wir Jesus glauben

Beginnen wir mit dem Glauben. Etwas glauben bedeutete zunächst, jemandem glauben. Wenn ich der Meinung bin, jemand ist ein unseriöser Widerling, z.B, ein Investmentbanker, der mir eine windige Anlage verkaufen will, dann glaube ich doch nicht daran, dass das, was er anpreist, auch stimmt. Und jetzt stellen wir uns mal folgendes vor: Wir sind auf einer Feier eines guten Freundes, der uns eingeladen hat, um seinen neuen Job, den er in höchsten Tönen preist, zu begehen. Und dann kommt raus, der hat den Job gar nicht. Der hat nur so getan. Der hat uns angelogen. Was denken wir dann über ihn? Dem glauben wir nicht mehr so schnell. 

Und jetzt stellen wir uns einmal die Situation der Apostel vor, nach der Kreuzigung. Sie haben Jesus geglaubt, dass sich durch ihn etwas ändern würde in Israel. Und dann wird er als Verbrecher ans Kreuz geschlagen. Was er erzählt hat, muss wie eine Lüge erscheinen. Oder zumindest wie ein Irrtum. Thomas gibt uns von dieser ungläubigen Enttäuschung ein Zeugnis. Lüge und Irrtum sind keine Empfehlungen, um einem Anführer zu folgen. Ohne die Auferstehung, ohne die Bestätigung, dass Jesus sogar den Tod überwinden kann und damit sich durch ihn alles ändert, wäre die Jesusbewegung nach Ostern verschwunden. Und ohne die Auferstehung könnten auch wir Jesus nicht glauben. Denn er hat ja von seiner Auferstehung berichtet. Mehrmals. Ohne Ostern wäre das entweder eine Lüge, weil er wusste, dass er das nicht kann. Oder eine Irrtum, schlimmstenfalls Wahnsinn. Beides qualifiziert ihn nicht als große Gestalt der Menschheit und auch nicht als Vorbild. Aber mit der Auferstehung wird Christsein wirklich. Dann können wir, wie Thomas, Jesus Herr und Gott nenne, wie Maria Magdalena Meister. Dann kann Jesus für uns der Meister und der Herr unseres Lebens sein.

Auferstehung bedeutet ungetrübte Osterfreude

Wenn wir auf einer Abschlussfeier sind, dann hat das zwei Perspektiven. Zum einen die Rückschau und die Vorausschau. Es ist gerade bei solchen Feiern ein Phänomen, dass sie neben der Freude, etwas geschafft zu haben, von einer gewissen Melancholie durchzogen sind. Denn man weiss oft nicht, wie es weitergeht. Wer z.B. sein Studium abgeschlossen hat, der muss jetzt einen Job finden, was meist nicht leicht ist. Die Zukunft liegt im Dunkeln. 

Doch nicht an Ostern. Die Osterfreude ist ungetrübt. Denn die Zukunft des Christen liegt nicht um Dunkeln. Denn die Auferstehung Christi ist zwar ein singuläres Ereignis, aber keines für sich allein. Der Hl. Paulus sagt, Christus ist der Erstgeborene der Toten. Er ist derjenige, der die Auferstehung als erster Vollzieht, als erster den Auferstehungsleib erhält. Und er tritt als erster den Weg in den Himmel, zum Vater, an. Christus geht uns, die wir ihm nachfolgen, voraus. Das, was mit Christus geschehen ist, das wird auch an uns geschehen. Es wird der Tag kommen, da auch wir aus den Gräbern auferstehen, einen neuen Leib erhalten und zum Vater kommen werden. Unsere Hoffnung als Christen ist daher nicht irgendeine Hoffnung, die nebulös wäre, das wir irgendwie mal in den Himmel kommen. Es ist eine konkrete, wirkliche Hoffnung, so wie auch Christus ganz konkret und wirklich vor den Apostel stand.

Beziehung mit dem lebenden Jesus

Wenn wir auf einer Beerdigung sind, dann wollen wir noch ein letztes mal dem Menschen, der uns früher nahe war, begegnen und wollen auf diese Weise Abschied nehmen. So wollten es auch einige Frauen aus dem Gefolge Jesu halten, als sie am Vormittag des Sonntags ans Grab kamen, um Jesus zu betrauern und den Körper mit Ölen zu salben. Ihre Beziehung richtete sie demnach scheinbar auf einen Toten. Doch wie überrascht, ängstlich und später glücklich waren sie, dass Jesus lebte. Im Johannesevangelium ist der kurze Dialog zwischen Maria von Magdala und Jesus überliefert: "Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!" Jesus spricht hier Maria ganz direkt, mir ihrem Namen an. Das ist wesentlich persönlicher, als das bei Jesus Frauen gegenüber üblichere 'Frau'. Und Maria antwortet ihm mit Rabbuni, Meister, indem neben Respekt auch Vertrautheit mitklingt.

So ähnlich ist es auch bei uns. Denn Christsein ist nicht nur die Orientierung an ein paar guten Ratschlägen, die Jesus irgendwann mal gemacht hat. Sondern Christsein ist eine Beziehung haben mit Jesus Christus. Wenn Jesus aber im Grabe geblieben wäre, dann wäre jede christliche Feier wie eine Beerdigung. Man erinnert sich an das Leben eines Menschen, der tot ist. Wenn Jesus aber Auferstanden und in dem Himmel uns vorangegangen ist, dann ist Christentum nicht Beziehung mit einem Toten, sondern einem Lebenden. Dann können wir mit Jesus in eine aktive Beziehung treten, können fragen und antworten. Dann ist Jesus nicht fern, nicht nur eine Erinnerung. Sondern dann sitzt er Mitten unter uns, egal ob in der Kirche, in der Familie oder unter Freunden, solange man sich in seinem Namen versammelt.  

An Ostern feiern wir das Leben als Christen

Zu Beginn sprach ich von den drei geistlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe und von drei Aspekten, die in Feiern ausgedrückt werden können: Basis, Perspektive und Person. Jetzt verbinden sich diese beiden Ebenen. Für unser Christsein ist der Glaube die Basis, die Auferstehung die Perspektive, Christus die Bezugsperson. All das erschließt sich von Ostern. Kommen wir noch einmal auf die Frage zurück, was wir an Ostern feiern? Ein besonderes Ereignis für einen wichtigen Menschen. Die Auferstehung Jesu. Ja, aber wir feiern mehr. Wir feiern, dass Jesus nicht nur für sich, sondern für uns auferstanden ist und uns Christsein ermöglicht hat. An Ostern feiern wir das Leben Jesu Christi und unser Leben als Christen. Wahrhaft ein Grund zu feiern. Halleluja.

Wer es geschafft hat, den ganzen Text zu lesen, ist noch herzlich eingeladen, einen Kommentar zu hinterlassen.

Kommentare :

  1. Ich verkneife mir jetzt die olle 70er-Jahre Exegese, die enttäuschten Jünger hätten einfach plötzlich verstanden, daß die Sache Jesu halt trotzdem weitergeht, sondern stimme lieber mit ein: Ostern ... Wahrhaft ein Grund zu feiern. Alleluja!

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  2. 1 Kor
    10 Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. 11 Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt. 12 Wenn aber verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht?2 13 Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. 14 Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos"

    Gottes Gnade wirkt in jedem von uns. Man muss nur lernen,sie anzunehmen,
    Und wenn Gott und Jesus Christus direkt und so beständig in uns wirkt, wie könnte es sein, daß Er nicht auferstanden wäre?

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