Freitag, 4. April 2014

Der Fall des Bischofs Tebartz-van Elst

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Am Mittwoch der letzten Woche kam für viele in Limburg die erlösende Nachricht: Der Papst hat den Rücktritt von Bischof Tebartz-van Elst angenommen. Der Limburger Bischof war da schon eine fast mythische Gestalt, irgendwo zwischen finsterem Protzfürsten und asketischem Märtyrer angesiedelt. Doch betrachtet man die Geschehnisse und Hintergründe, dann klären sich viele Verwicklungen und auch für die Zukunft wird einiges klarer.

Der Fall des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst hat innerhalb wie außerhalb des Bistums besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Fall in zweierlei Weise: Zum einen weil es der Fall eines Bischofs vom jungen Hoffnungsträger zum größten Buhmann der Nation ist, zum anderen weil dieser Problemfall verschiedene, sehr komplizierte Aspekte hat. Diese bleiben allerdings oft wenig beleuchtet, weil die einen den Bischof für die Quelle alles Bösen im Bistum halten, die anderen für das unschuldige Opfer einer bösartigen Verschwörung. In diesem Post möchte ich ein wenig die verschiedenen Probleme in der Causa Limburg behandeln. Mit Bischof Franz-Peter meine ich, der Fall hat drei Aspekte: Das Bistum, der Bischof und die Medien:

Limburg ist keine einfach Diözese

Mit dem Bistum Limburg hat Tebartz-van Elst keine einfache Diözese übernommen. Limburg galt bei der Ernennung des Bischofs in einigen Bereichen als vorbildhaft, es gab aber auch zahlreiche Baustellen. Mit der Synodalordnung, wie sie unter Bischof Kempf eingeführt wurde, hat das Bistum konsequenter als viele andere auf eine starke Beteiligung der Laien gesetzt. Damit gelang eine gute Einbindung des Kirchenvolkes auf allen Ebenen der Diözese bei einer Letztentscheidungskompetenz des Bischofs. Das gerade besagte Entscheidungskompetenz der Bischöfe mitunter so gehandhabt wurde, dass manche in den Gremien meinten, sie könnten gültig entscheiden statt nur beraten, wurde hingegen unter Tebartz-van Elst zu einem Problem.

Kamphaus konnte viele Problem noch überstrahlen

Hinzu kam, dass es verschiedene Gremien gibt, die für sich in Anspruch nehmen, den Bischof abschließend zu beraten. Daneben gab es gewisse Tendenzen in der Ära Kamphaus, die der Einheit im Bistum geschadet haben. Das bekannteste Problem ist sicherlich die Schwangerenkofliktberatung. Wenngleich eine Mehrheit der Katholiken sich für den Weg des Bischofs aussprachen, hatten auch viele Probleme damit. Zudem hat Bischof Kamphaus am Ende seiner Amtszeit die Disziplin sowohl der Verwaltung als auch der Klerus schleifen lassen. So gab es in seinen letzten Jahren und während der Sedisvakanz eine massive Veruntreuung und einige Indiskretionen. Doch wurden diese Probleme von vielen nicht wahrgenommen, da die unbezweifelbar charismatische und auch bewundernswerte Person des Bischofs solche Schwächen und Probleme überdeckte.

Tebartz-van Elst bringt einen neuen Stil

Als Franz-Peter Tebartz-van Elst kam, waren alle optimistisch. Das Domkapitel hoffte nach eigener Aussage - und das glauben wir mal - das nach einer gewissen Stagnation der letzten Jahre neuer Schwung in die Diözese kommen würde. Der junge Bischof, der ein ausgewiesener Pastoraltheologe mit bereits bischöflicher Erfahrung in Münster war, versprach da eine gute Wahl zu sein. Allerdings begannen bald Probleme aufzutreten.
Bischof Tebartz-van Elst pflegte einen anderen Leitungsstil als Kamphaus. Zwar hörte auch er intensiv zu, doch er kommunizierte auch klar, dass er am Ende das Sagen hatte und nicht die Gremien. Das passte vielen schon nicht. Auch auf die Liturgie legte er wesentlich mehr wert und vergraulte damit Priester wie Laien, die den abgerüsteteren und formloseren Stil von Kamphaus gewöhnt waren. Er konfrontierte auch die oft eingefahrenen Strukturen und Personen im Bistum mit zahlreichen neuen und oft zu weit ausholenden Ideen. Während unter Kamphaus die Fläche des Bistums stark im Fokus der Aufmerksamkeit lag, kam es unter Bischof Tebartz-van Elst zudem zu einer stärkeren Konzentration, besonders auf die Limburger Zentrale.

Vorsicht und Abschottung nahmen zu

Da der Bischof das Gefühl hatte, es mit einer verfilzten und ineffizienten Verwaltung zu tun zu haben, berief er einen neuen Generalvikar, der umfangreiche Kompetenzen auf seine Person konzentrierte, um dem Ordinariat vermeintlich Herr zu werden. Dabei ging Generalvikar Kaspar oft hart und unnachgiebig vor, was zu Verbitterung führte.
Auch in der Kommunikation mit den Medien machte der Bischof zahlreiche Fehler, die er nur teilweise wieder gerade biegen konnte. Zeigte er mitunter, dass er ein vollendeter Gastgeber auch für Journalisten war, tendierte er in den meisten Fällen zu Misstrauen und Abschottung gegenüber den Medien. War dies am Anfang, nach dem Eindruck vieler, einer gewissen Überforderung geschuldet, so war dieses Misstrauen zunehmend begründet.
Auch mit seinem Leitungsstil, der auf einer starken Einbindung von immer weniger Vertrauten und auf einem Hineinregieren an den Strukturen vorbei basierte, überforderte er die Limburger Diözesanen. Doch zu seinem eigentlichen Problem wurde, dass er Fehler zu spät erkannte und sie dann nicht mehr ohne größeren Schaden korrigieren konnte.

Ohne die Medien geht es nicht mehr in Limburg

Aktuell ist von den führenden Personen im Bistum allenthalben die Bemühung zu spüren, die Medien positiv zu stimmen. Dafür wird den Journalisten nachdrücklich versichert, dass sie eine wichtige Aufgabe in der Beobachtung der Vorgänge in Kirche und Gesellschaft wahrnehmen, man dankt ihnen für ihr Interesse und drückt die Hoffnung auf eine gute Zusammenarbeit aus. Das ist die Lehre, die man aus dem Fall des Altbischofs gezogen hat: Wer nicht mit den Medien spricht, der macht sich bei ihnen unbeliebt. Wer schlecht über sie spricht, schonmal gar.

Tebartz-van Elst erlebte einen gewaltigen Medienhype

Während Bischof Tebartz-van Elst in seiner ersten Pressekonferenz kaum auf die Journalisten eingegangen sein soll, nahmen sich Weihbischof Grothe und sein Stellvertreter Rösch viel Zeit für sie. Denn sie wissen: Gegen die Medien können sie keinen Frieden im Bistum stiften. Denn wenngleich man gar nicht leugnen kann, dass Bischof Tebartz-van Elst viele Fehler gemacht hat. Der Furor, der über ihn hereinbrach, steht in keinem Verhältnis. Während z.B. Ulli Hoeneß nachweislich zig Millionen am Staat vorbei geschoben hat und Bürgermeister Wowereit einen Flughafen für Milliarden Euro nicht baut, titelt der Focus immer noch: Der Protz-Bischof hier, der Protz-Bischof da. Sowohl die Medienaufmerksamkeit als auch die Wortwahl standen und stehen in keinem Verhältnis mehr zur wahren Dimension des Falles. So schufen die Medien massiv eine Medienrealität, die die wahren Zustände überformte, sodass der Bischof Anfang Oktober nicht mehr vor seine eigene Tür treten konnte und regelrecht gejagt wurde. Die Medien hatten somit ihren erheblichen Anteil an diesem Fall.

Keiner ist unschuldig

Nachdem wir die drei Aspekte Bistum, Bischof und Medien betrachtet haben, erkennen wir die wichtigsten Probleme: Der Bischof passte nicht zum Bistum und die Medien fungierten als Brandbeschleuniger. Die Residenz auf dem Domberg war dabei nur das sichtbare Objekt, auf das sich die Aufmerksamkeit richtete und das zum Aufhänger wurde, um alles, was man dem Bischof anlastete, in einem wirkmächtigen Bild zu vereinen. An dem Sturz des Bischofs haben so viele mitgewirkt, die Medien, viele Diözesanen aber auch unfreiwillig er selber.

Ein guter, kein serviler Hirte

Zwei Lehren kann man daraus wiederum ziehen: Der neue Bischof muss mit dem Bistum und mit Medien umgehen können. Das muss aber nicht notwendigerweise in eine Servilität gegen beide ausarten. Wer überzeugend und weitgehend skandalfrei die Botschaft Jesu verkünden kann, der kann auch im Bistum Limburg einigend wirken und der kann auch mit den Medien umgehen, ohne mit den Journalisten in allem übereinzustimmen. Der große Förderer von Bischof Franz-Peter, Kardinal Meisner, hat es als zu Anfang ungeliebter Bischof in einer wenig wohlgesonnen Medienlandschaft geschafft. Hoffen wir, dass der Papst uns Limburgern einen guten Hirten wie den alten Kölner schicken wird.

Kommentare :

  1. Semper Catholicus4. April 2014 um 15:29

    Hervorragender Blog, Danke und Glückwunsch! So etwas Differenziertes, den unterschiedlichen Parteiungen gerecht Werdendes konnte man bisher in der "Blogozese" noch kaum lesen. Bei den meisten dominieren nach wie vor dunkle Verschwörungstheorien.
    Sie haben Recht: wenn man skandalfrei bleibt, kann/darf man so konservativ und ultramontan sein wie man will, weil einem dann "die Medien" nichts anhaben können. S. Meisner, Hanke, Voderholzer u.a.

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    1. Danke für das Kompliment.
      Wobei sich ja auch viele Mitblogger um eine differenzierte Darstellung bemühen. Aber Verschwörungstheoretiker gibt es halt auch auf beiden Seiten.

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  2. Bitte auf Rechtschreibung überprüfen. Das ist ja peinlich. Der Artikel kann sonst nicht ernst genommen werden.

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