Mittwoch, 19. März 2014

Wüstenmütter Vol. 3 - Die berühmtesten Wüstenmütter im Wüstentest

Im letzten Artikel zu diesem Thema hier habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt, warum es (fast) keine Wüstenmütter gab. Dennoch werden in der Diskussion mitunter Frauen angeführt, die als Wüstenmütter gelten, wie Syncletica, Melania (hier links) und andere. Mit diesen Frauen will ich mich daher jetzt beschäftigen.

Eine unserer wichtigsten Quellen für das ägyptische Asketentum die Historia Lausiaca von Palladius. Er berichtet auch von zahlreichen Frauen, die einen asketischen Lebenswandel geführt haben.

Alexandra, eine frühe Inkluse

Eine Frau, die oft als Wüstenmutter genannt wird, ist Alexandra. Sie war in der Tat auch Nachfolgerin des Hl. Antonius des Großen. Allerdings in seiner Anfangsphase. Denn wie Antonius schloss sie sich in ein Grabmal ein. Während aber Antonius weiter in die Wüste zog, da ihm das Grab nicht die erwünschte Abgeschiedenheit lieferte, blieb sie dort und wurde bis zu ihrem Tod nicht mehr gesehen. Freilich war sie, von der Welt verborgen, eine wichtige Ratgeberin vieler Frauen, die zum Grabmal kamen, um sie zu hören.

Candida bändigte 'die Wildheit Esaus'

Von den weiteren Frauen, die Palladius erwähnt, kam dem Leben eines Wüstenvaters am ehesten Candida nahe. Von ihr wird berichtet,
daß sie ganze Nächte der Arbeit oblag und eigenhändig Getreide mahlte zur Abtötung des Leibes, indem sie sagte: "Fasten allein ist nicht stark genug: ich geb' ihm darum Arbeit und Nachtwachen als Bundesgenossen, um die Wildheit Esaus zu bändigen."
Sie enthielt sich von allem, was Blut und Leben hatte, nur Fisch und Gemüse mit Öl genoß sie, doch nur an Festen; sonst nahm sie nur Wasser mit Essig und trockenes Brot. Wie ein Wüstenvater lebte sie also sehr asketisch, sowohl was das Fasten, die Nachtwachen und die harte Arbeit angeht. Von einem Eremitenleben in der Wüste wird uns aber nichts berichtet.

Melania die Ältere folgt den Wüstenvätern

In der Literatur wird das Beispiel einer weiteren Frau zum Wüstenmutterdasein aufgeblasen, das Leben von Melania der Älteren. Mitunter könnte man den Eindruck haben, sie habe in der Wüste als Eremitin gelebt. Doch wer Palladius, der von ihr erzählt, genau liest, erkennt, dass es doch etwas anders war. Melania war eine reiche Witwe und reiste nach Ägypten, um die Väter der Nitrischen Wüste zu sehen. Sie gehört damit zu den zahlreichen Touristen, die zu den Wüstenväterkolonien fuhren, um die wundersamen Asketen zu bestaunen. Sie nahm allerdings die Botschaft der Väter besonders ernst und legte einen ungewöhnlichen großen Eifer und Gründlichkeit an den Tag. Sie besuchte nicht nur ein paar der Väter, sondern bereiste ein halbes Jahr lang die Sketis und besuchte jeden Altvater, den sie finden konnte. Und als einige der Väter durch den Stadthalter verbannt wurden, da folgte sie ihnen und unterstützte sie mit ihrem Vermögen. Später gründete sie dann eine Klostergemeinschaft in Jerusalem, was zusammen mit Betlehem ein sehr beliebter Ort für geistliche Gemeinschaften war.

Melania die Jüngere in Kampanien

Das jemand ein asketisches Leben führen, aber weder eine Wüsteneremitin noch in ein Kloster gehen musste, zeigt das Beispiel der jüngeren Melania. Aus steinreicher Familie stammend, wurde sie mit einem Mann verheiratet, dem sie auch zwei Kinder gebar, die aber rasch starben. Da sie dem Beispiel ihrer Großmutter, der älteren Melania nachfolgen wollte, wünsche sie ein Leben in Enthaltsamkeit und Armut. Sie konnte ihren Gatten auch dazu überreden, auf den ehelichen Verkehr mit ihr zu verzichten und führte, nachdem sie den größten Teil ihres Besitzes verschenkt hatte, ein zurückgezogenes Leben. Dennoch hatte sie immer noch zahlreiche Dienerinnen und wohnte in einer größeren Gruppe wahlweise in Kampanien und Sizilien. Wüstenväterliche Armut sah auch anders aus.

Amma Syncletica: Noch eine Inklusin

Eine der berühmtesten Wüstenmütter ist Syncletica. Sie wurde als nur eine von drei Frauen sogar in die Apophtegmata Patrum aufgenommen, was einiges über ihren Ruhm sagt. Sie wird daher gerne als Beispiel einer Wüstenmutter genommen. Doch auch sie war keine. Zwar kann auch sie als Nachfolgerin des Hl. Antonius des Großen betrachtet werden. Doch gilt das nur für seine Anfangszeit. Ähnlich wie Antonius zu Beginn seines Eremitenweges schloss sich Synkletika in ein Grab, genauer eine Grabhöhle ein. Das können wir uns heute am ehesten als eine kleine Gruft vorstellen, die gerade von keiner Familie praktisch gebraucht wurde. Also kein besonders angenehmer Ort, wo man gerne hinkommt, aber ideal, wenn man ein ruhiges Leben möglichst unbehelligt führen wollte, sich aber dennoch einen gewissen Schutz durch nahe Siedlungen wünschte.

Amma Sarrha am Nil

Eine weitere große Asketin war die Amma Sarrha. Sie lebte ebenfalls als Eremitin, aber auch nicht in der Wüste, sondern am Nil, also innerhalb des zivilisierten Bereiches von Ägypten, der weitgehend durch die römischen Truppen gesichert wurde und damit an physischen Gefahren nicht an die Wüsten heranreichte. Dennoch sah sie Sarrha als Frau, die ihre Geschlechtlichkeit in ihrem Denken überwunden hatte und von denn Vätern auch als Asketin akzeptiert wurde.

Theodora steht einer Gemeinschaft frommer Schülerinnen vor

Weniger 'männlich' als Sarrha war die Amma Theodora. Sie wird uns vor allem als Lehrerin einer Gruppe von Frauen dargestellt, die ihre geistlichen Schülerinnen waren. Theodora lebte vermutlich als Oberhaupt dieser Gruppe von Frauen, die man im weiteren Sinne als Klostergemeinschaft bezeichnen kann, in der Nähe von Alexandria. Zumindest pflegte sie einen intensiven Kontakt mit ihrem Ortsbischof, was für eine räumliche Nähe spricht und eher dem Ideal von weiblichem Asketentum entspricht, das uns Palladius zeichnet.

Palladius: Weibliche Asketinnen sind nicht schwächer als die Männer

Zum Schluss soll noch einmal Palladius zu Wort kommen, der noch viele andere Frauen aufzählt,
 "denen Gott die gleichen Kampfpreise gab wie den Männern, damit wir nicht in dem Wahne leben, als seien sie schwächer, wenn es sich um den Fortschritt in der Tugend handelt". 
Soweit er deren Lebensumstände beschreibt, ist jedoch keine davon eine Eremitin in der Wüste. So Theodora, die in einem Kloster starb, wo sie vermutlich auch gelebt hat, da sie von Almosen lebte. Ebenso Asella von Rom, die ihr Leben im Kloster verbrachte. Entsprechend wendet Palladius nicht den Begriff Wüstenmütter auf sie an und kann ihre spezifisches weibliches Asketentum dennoch als bewundernswert ansehen. Hier scheint der spätantike Autor weiter zu sein als viele moderne Schriftsteller.

Die beiden Vorgängerposts zu den Wüstenmüttern:
Wüstenmütter?
Wüstenmütter? Vol. 2

Kommentare :

  1. Guter Artikel MC, werde mir einmal in Ruhe die anderen Artikel zu dieser Serie durchlesen. Grüße Ed

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