Dienstag, 25. März 2014

Wir wandeln im Glauben, nicht im Schauen

36) Niemand soll, wenn er "Wahrnehmung (Empfindung) des Geistes" hört, darauf hoffen, daß ihm die Herrlichkeit Gottes sichtbar erscheint. Denn wir sprechen davon, daß die Seele in einem unaussprechlichen Kosten des göttlichen Zuspruchs wahrnimmt, d. h. rein ist. Nicht aber sagen wir, daß ihr etwas von den unsichtbaren Dingen erscheint. Denn jetzt wandeln wir ja im Glauben und nicht im Schauen, wie der selige Paulus sagt.

Wenn also einem Kämpfer ein Licht, eine feurige Gestalt oder eine Stimme erscheint, so soll er unter keinen Umständen ein solches Gesicht zulassen; es ist nämlich eine offensichtliche Täuschung des Feindes. Schon viele haben so etwas erlebt und sind gleichsam aus Unwissenheit vom Weg der Wahrheit abgekommen. Wir aber wissen, daß wir, solange wir in diesem vergänglichen Leib wohnen, fern von Gott in der Fremde leben, d. h. daß wir ihn oder etwas von seinen himmlischen Wundern sichtbar nicht sehen können.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, aus: Philokalie, Bd. 1.

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