Dienstag, 4. März 2014

Franziskus im Hotel: Wir sind Papst und wir tun, was wir wollen!

Quelle WikiCommons Suse
Als Papst Franziskus vor nicht ganz einem Jahr gewählt wurde, war die allgemeine Verwunderung groß: Wie, der Papst wohnt nicht im Apostolischen Palast, sondern weiterhin in der Casa Santa Marta, also im Hotel? Das ist ja so bescheiden. Dabei tut der Papst genau das, was man als Monarch eben macht.

Papst Franziskus ist ja so bescheiden, weil er nicht im Apostolischen Palast wohnt. Das ist natürlich Käse. Also die Schlussfolgerung "so bescheiden". Denn mit Bescheidenheit hat die Wohnung in der Casa Santa Marta orgininal nix zu tun. Oder ist es bescheiden, ein halbes Stockwerk zu belegen und eine ganze Wohnung leer stehen zu lassen, die natürlich weiterhin geheizt und geputzt werden muss?

Das Bedürfnis des Monarchen geht vor

Das mich niemand falsch versteht, ich habe nix dagegen, dass der Papst in der Casa Santa Marta wohnt. Ich find's gut. Denn es ist eine Handlung, die nicht nur zu diesem Papst, sondern auch zum Papstamt passt. Denn damit sagt Franziskus: "Wir sind der Papst und wir tun, was wir wollen." Und wenn der absolute Monarch Franziskus in einem Hotel wohnen will, dann wohnt er in einem Hotel. Egal, was es kostet und wie viele Zimmer er dafür mit Beschlag belegt. Weil es ihm als Herrscher frei steht, die Dinge so zu machen, wie es ihm am besten gefällt, passt, seinen Bedürfnissen entspricht. Und da der Heilige Vater ein sehr kommunikativer Mensch ist, der gerne von vielen Leuten umgeben ist, passt ein Hotel besser zu ihm als eine Wohnung im Apostolischen Palast.

Majestät mag es gerne privat

Damit steht Franziskus in allerbester Monarchentradition. Denn viele Herrscher haben nicht in ihren riesigen Palästen gewohnt, die wir heute staunend bewundern. Selbst wenn sie sie gebaut haben. Oft saßen sie irgendwo anders in Räumen, die sie nur für sich selber errichtet haben und die ihrem Charakter entsprachen, da sie hier keine Rücksicht auf das Zeremoniell nehmen mussten. Was sie natürlich nicht gehindert hat, die Hütte auf Staatskosten hochzuziehen und zu unterhalten, wofür hat man die Krone auf.
Einige Beispiele mögen das für die historisch interessierten Leser verdeutlichen:

Wilhelm I. blieb, wo er als Kronprinz war

Wilhelm I. wohnte als König von Preussen und Deutscher Kaiser nicht im Berliner Stadtschloss, sondern in einem Palais Unter den Linden. Nicht aber aus Bescheidenheit. Sondern weil er dort schon seit Jahrzehnten wohnte und sich als alter Mann, er ist ja erst in seinen 60ern König geworden, nicht mehr umstellen wollte.

Der Alexanderpalast als bürgerliches Zuhause

Zar Nikolaus II. hat praktisch nie im Winterpalast in St. Petersburg gewohnt, der die offizielle Residenz der Zaren war. Er wohnte und arbeitete überwiegend vom Alexanderpalast in Zarskejo Selo (heute Puschkin) aus. Das hat neben psychologischen Gründen - die Zarenfamilie fühlte sich in St. Petersburg nach dem Aufstand 1905 nicht mehr sicher - auch seinen Grund in gewandelten Wohnbedürfnissen. Der Alexanderpalast ist für ein großbürgerliches Familienleben, wie es der Zar bevorzugte, geeigneter als der riesige Klotz an der Newa.

Sanssouci lässt Grüßen

Friedrich II. von Preussen verbrachte die Sommermonate überwiegend im Schloss Sanssouci. Das Berliner Stadtschloss hat ihn kaum je gesehen, da er ansonsten bevorzugt im Potsamer Stadtschloss residierte. Auch hier ging es nicht um Bescheidenheit. Friedrich fühlte sich in seinem Potsdamer Weingarten wesentlich wohler und hatte zudem einen Brass auf die Umgebung des Stadtschlosses, weil er sein Forum Fridrizianum nicht hatte umsetzen können.

Auch Vorlieben kann man als Tugenden verkaufen

Man sieht: Papst Franziskus stellt sich mit seinem Appartement im Hotel in die allerbeste monarchische Tradition. Damit widerspricht er unseren heutigen romatischen Vorstellungen davon, was ein Monarch wie machen soll. Was die gekrönten Häupter aber schon immer gerne gemacht haben. Und was, wenn sie es gut verkauft haben, auch schon immer gut ankam. Denn Majestät ist ja so bescheiden.

Kommentare :

  1. (Der Link in der Bildunterschrift zu Sanssouci ist irritierend, da auf die Commons-Dateien eines einzelnen WP-Nutzers führend.)

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    1. Der Nutzer hat das Bild in WikiCommons gestellt. Und damit man ihn gleich findet, ist der Name mit dem Link versehen. Wie würdest du es machen?

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  2. Papst Franziskus wird Wichtigeres zu tun haben, als sich darüber den Kopf zu zerbrechen, ob er nicht in Wahrheit absolutistisch-monarchisch-unbescheiden ist.
    Was bringt der Blogozese also so eine Reflexion??

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    1. Wenn ich Anlass habe zu glauben, dass der Papst diesen Blog liest, werde ich gewichtigere Dinge schreiben. Bis dahin finde ich das eine nette Perspektive, das Verhalten von Franziskus auf eine monarchische Grundhaltung zu untersuchen.

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    2. Na, dann kann die "Blogozoese" ja endlich aufatmen: der Papst ist Monarchist. Und aller weiteren blogozoesanen Franziskus-Mäkelei ist der Boden entzogen. Insofern ein sehr verdienstvoller Beitrag!

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  3. In diesem Sinn sind wir doch alle Monarchisten und verhalten uns in den uns gegebenen Möglichkeiten genauso.

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