Mittwoch, 19. März 2014

Es ist unmöglich, die göttliche Güte zu kosten oder die Grausamkeit der Dämonen erfahren, wenn nicht ...

33) Wenn die Seele in einer entschlossenen und vorstellungsfreien Regung zur Gottesliebe entbrennt und dabei auch den Leib in den Abgrund jener unsagbaren Liebe gleichsam mit sich zieht — mag dies im wachen Zustand geschehen oder auf die oben erwähnte Weise, oder mag dabei dem Schlaf verfallen, wer unter dem Einfluß der heiligen Gnade steht —, wenn die Seele dann an überhaupt nichts anderes denkt als allein an das, wohin sie sich bewegt, so muß man wissen, daß dieses Wirken vom Heiligen Geist kommt. Denn da die Seele ganz im Genuß jener unsagbaren Süßigkeit steht, vermag sie dann an nichts anderes mehr zu denken; erfreut sie sich doch einer gewissermaßen nie versiegenden Seligkeit.

Wenn aber der Geist in seinem Ergriffensein schlechthin Verlegenheit oder einen schmutzigen Gedanken wahrnimmt — mag er sich auch des heiligen Namens bedienen zur Abwehr des Bösen, doch nicht vielmehr allein für die Liebe zu Gott —, dann muß man erkennen, daß jener Zuspruch unter dem Anschein der Freude gleichsam vom Verführer stammt. Diese Freude aber ist gänzlich inhalts- und gestaltlos. Der Feind möchte nämlich mit der Seele buhlen, wenn er sieht, wie sich der Geist angelegentlich der Erfahrung seines Empfindens rühmt. Denn dann wendet er sich, wie gesagt, mit anscheinend wohlmeinenden Zusprüchen an die Seele, damit sie, von jener eitlen und schlüpfrigen Wonne umhergeworfen, den Beischlaf des listigen (Feindes) nicht bemerke. Daran also können wir den Geist der Wahrheit und den Geist der Täuschung erkennen.

Doch ist es unmöglich, die göttliche Güte in seinem Empfinden zu kosten oder die Grausamkeit der Dämonen wahrnehmbar zu erfahren, wenn man sich nicht völlig klar darüber wird, daß die Gnade in der Tiefe des Geistes Wohnung genommen hat, doch die bösen Geister sich im Umfeld des Herzensbereiches aufhalten. Es ist der Wunsch der Dämonen, daß sich diese Überzeugung niemals bei den Menschen finde, damit sich nicht der Geist aus eben diesem klaren Wissen heraus mit dem Gedenken Gottes gegen sie wappne.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, aus: Philokalie, Bd. 1.

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