Montag, 10. März 2014

Die Empfingsweise der Seele und die Wirkung der Erbsünde

29) Wir wissen, daß es, wie gesagt, nur eine einzige natürliche Empfindungsweise der Seele gibt. Die fünf (sinnlichen) Empfindungsweisen nämlich dienen lediglich den Bedürfnissen unseres Leibes, wie uns der Allheilige und menschenfreundliche Geist Gottes lehrt. Jene Empfindungsweise jedoch wird zusammen mit den entsprechenden Regungen der Seele zerteilt aufgrund der Schlüpfrigkeit, die dem Geist durch den Ungehorsam (Adams) zuteil wird. Eben darum wird sie einerseits zusammen mit dem leidenschaftlichen Teil (der Seele) fortgerissen. Daher empfinden wir gern die Genüsse des Lebens. Andererseits freut sie sich oft an ihrer geistig-erkennenden Bewegung, weswegen unser Geist danach strebt, den himmlischen Schönheiten zuzueilen, falls wir besonnen sind.

Wenn wir also zu dem Zustand gelangen, daß wir die Genüsse der Welt verachten, werden wir auch das erdverhaftete Trachten der Seele mit ihrer geistigen Verfassung verbinden können, wobei die Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist dies für uns in die Wege leitet. Wenn nämlich seine Gottheit nicht die Kammern unseres Herzens wirksam erhellt, dann sind wir außerstande, das Gute mit ungeteilter Empfindung, d. h. in einer vollständigen Verfassung, zu kosten.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, aus: Philokalie, Bd. 1.

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