Dienstag, 11. März 2014

Das Empfinden des Geistes ist ein genaues Kosten der unterschiedenen Dinge

30) Das Empfinden des Geistes ist ein genaues Kosten der unterschiedenen Dinge.

Wie wir nämlich durch das Geschmacksempfinden des Leibes das Gute, vom Schlechten sicher unterscheiden, wenn wir gesund sind, und darum nach dem Zuträglichen trachten, so vermag auch unser Geist, wenn er sich kraftvoll und unter großer Sorglosigkeit zu regen beginnt, den göttlichen Zuspruch in reichem Maße wahrzunehmen, ohne sich vom gegenteiligen je mit fortreißen zu lassen. Denn wie der Leib beim Kosten der irdischen Aromen untrügliche Kenntnis der Wahrnehmung besitzt, so vermag auch der Geist, wenn er sich seiner Erhabenheit über die fleischliche Gesinnung rühmt, den Zuspruch des Heiligen Geistes sicher zu kosten. "Kostet und seht," heißt es ja, "daß der Herr gütig ist.“

Zudem vermag der Geist durch die Wirksamkeit der Liebe die Erinnerung an dieses Kosten unvergeßlich in sich zu tragen, wenn er die unterschiedlichen Dinge prüft, ohne fehlzugehen. So sagt der Heilige: "Und ich bete darum, daß eure Liebe mehr und mehr zunehme in der Erkenntnis und jeglicher Wahrnehmung, damit ihr die unterschiedlichen Dinge prüfen könnt."

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese, aus: Philokalie, Bd. 1.

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