Mittwoch, 26. März 2014

Bernhard Vosicky: Wen schickt der Beichtvater zum Psychiater?

P. Bernhard: Vortragsfoto
In der Fastenzeit ist die Beichte wieder aktuell. Ich kenne Kirchen, da sogar recht voll vor den Beichtstühlen. Für viele Beichtenden ist dabei die Frage wichtig, wie sie sich nach ihrer Beichte fühlen. Andere hingegen meinen, man solle besser zum Psychiater gehen, dann fühle man sich besser. Daher will ich mich heute der Unterscheidung von Beichte und Psychotherapie widmen.

Um diese Frage zu beantworten und mir dabei nicht allzuviel Mühe zu machen - aktuell hab ich doch recht viel zu tun - habe ich einen Video-Vortrag zur Beichte gefunden und diesen kurz zusammengefasst. Das Original kann hier geschaut werden. Der Titel des Vortrages ist ein wenig irreführend. Zwar wird die Frage immer mal wieder aufgegriffen, eigentliches Thema aber ist die Unterscheidung von Psychotherapie und Beichte. Pater Bernhard ist dafür besonders qualifiziert, da er als einer der gefragtesten Beichtvater Österreichs gilt. Was ich bestätigen kann, der Mann hat in der Karwoche vor zwei Jahren den Beichtstuhl praktisch nicht verlassen.

Schuld: Die Grenze der Psychologie

Zunächst widmet sich Pater Bernhard der zentralen Frage der Beichte, der Schuld. Sie ist die Grenzen des Psychologen und des Psychiaters. Dieser kann weder die Schuld vom Menschen nehmen noch ihn in seinem Leiden einen Sinn aufzeigen. Dabei gibt es vier verschiedene Möglichkeiten, mit Schuld umzugehen:

  1. Man  kann sie verdrängen, unterdrücken.
  2. Man kann sie abschieben, dem anderen die Schuld zuweisen. In diesem Kontext auch die Schuld loslassen.
  3. Man kann Gott die Schuld überlassen und sich damit erlösen lassen.
  4. Und zuletzt kann man dem anderen die Schuld vergeben


Die Bewältigung des Leides

Die andere Frage ist das Leid. Wie kann es bewältigt werden? Zunächst muss man es annehmen, akzeptieren und daran reifen. Gott nimmt den Menschen nicht das Leid, er hilft ihnen vielmehr, es durchzutragen. Hierzu zwei Worte bedeutender christlicher Lehrer. Zunächst der Wüstenvater Abbas Poimen: "Eure Niederlagen werden eure Lehrer sein." Und Teresia von Jesus sagte: "Gott kommt durch unsere Wunden." So gilt bei der Beichte, die Befreiung und Heilung ist, dass der eigentlich Heilende und Befreiende nicht der Priester, sondern Gott selber ist. So wie Jesus während seines irdischen Wirkens die Menschen heilte, so setzt er sein Wirken durch Beichte und Krankensalbung auch heute noch fort.

Unterscheidung zwischen Schuld und Krankheit

Dann streift Pater Bernhard die Frage, dass man eine Schuld oder eine diabolische Anfechtung von einer Krankheit unterscheiden muss und kommt von daher zur Unterscheidung von Therapie und Beichte. Denn im Fall von Krankheiten geht man zum Psychiater, im Falle von Schuld und Schulderkenntnis zum Beichtvater.

Transzendentale Dimension der Beichte

Pater Bernhard betont noch einmal die mystische Dimension des Beichtgeschehens, an das der Psychiater nicht heranreicht. Denn Jesus selbst kann und will durch den Priester lossprechen. Der Arzt und Psychotherapeut kann zwar helfen, Neurosen zu orten, festzustellen und aufzudecken. Er kann dem Menschen aber nicht seine Schuld nehmen. So tief wie Jesus in der Beichte kommt, so tief kommen die Therapeuten nie.

Aus dieser Unterscheidung von Transzendenz und Immanenz leiten sich auch die unterschiedlichen Ziele beider Praxen ab. Das Ziel der Psychotherapie ist die Heilung der Psyche. Das Ziel des Beichtvaters ist das Seelenheil. Der Psychiater schaut, dass der Mensch gesund wird, der Priester, dass der Mensch in den Himmel kommt.

Erwartungen und Hoffnungen in Beichte und Psychotherapie

Diese Unterscheidung ist auch deswegen wichtig, weil sie den Erwartungen und Hoffnungen des Beichtenden Richtung gibt. Manche Menschen erwarten, dass sie sich nach der Beichte in irgendeiner Weise erleichtert oder befreit fühlen müssen und glauben, wenn das nicht eintritt, sei die Beichte unwirksam gewesen. Aber Gott ist größer als unser Herz, das uns anklagt und die Geduld mit uns und unseren Gefühlen ist die Retterin unserer Seele.

Der Sakramentale Charakter der Beichte

Denn das Wesentliche der Beichte ist nicht ihre psychiatrische Auswirkung, sondern ihr sakramentaler Charakter. Die Beichte ist göttliches Geschenk, ist Gnade, sie bringt das Wirken Gottes in uns hinein. Sie ist das Wirken Christi im Menschen, sie ist Heilung und Heiligung. Es ist also ein Geschehen, dass von Gott ausgeht. Der Mensch stellt sich nicht selber wieder her, er wird wiederhergestellt. Er empfängt die Vergebung der Sünden, nicht die psychologische Selbstreinigung. Dabei ist Beichte nicht weniger, sie ist mehr als ein solcher emotionaler Prozess. Sie stellt die Ausgießung des Erlöserblutes auf die Geistseele dar. Der Anklagende wird wirklich verändert, er wird neue Schöpfung.

Beichte: Großes Wunder auf kleinem Raum

Durch die Unterscheidung der Grundlagen, der Möglichkeiten und der Wirkungen gewinnen Beichte und Psychotherapie ihren jeweils eigenen, wertvollen Charakter. Beide können einander nicht ersetzen, denn der Kranke wird nicht geheilt durch die Beichte und der von Schuld Beladene kann seine Sünden nicht durch eine Therapie loswerden. Entsprechend verliert aber der Beichtende auch nicht seine Schuldgefühle notwendigerweise durch die Beichte. Er darf sich aber gewiss sein, dass ihm die dahinter stehende Schuld wirklich vergeben und so seelische Heilung und Befreiung möglich ist. Deswegen werden auch in diesem Jahr wieder in der Karwoche die Leute in Heiligenkreuz Schlange stehen und deswegen will auch ich vor Ostern nochmal zur Beichte.

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