Dienstag, 18. Februar 2014

Niemand vermag gebührend zu lieben oder zu glauben, wenn ...

23) Niemand vermag gebührend zu lieben oder zu glauben, wenn er nicht selbst sein eigener Ankläger ist. Wenn sich nämlich unser Gewissen durch seine eigenen Zurechtweisungen beunruhigt, ist es dem Geist nicht mehr vergönnt, den Duft der überirdischen Güter wahrzunehmen, sondern er wird sogleich zerteilt und gerät in Zweifel. Er streckt sich zwar in glühender Bewegung aufgrund der vorhergehenden Erfahrung nach dem Glauben aus, doch kann er ihn, wie gesagt, infolge der heftigen Stiche des tadelnden Gewissens nicht mehr durch die Liebe im Empfinden des Herzens ergreifen. Haben wir uns hingegen durch glühende Aufmerksamkeit gereinigt, werden wir das Ersehnte in Gott mit noch tieferer Erfahrung erlangen.

Diadochos von Photike: Hundert Kapitel über die Askese

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