Dienstag, 4. Februar 2014

Er ist seiner eigenen Würde ganz und gar fremd

13) Ich kenne jemanden, der Gott so sehr liebt und überdies darüber trauert, daß er nicht liebt, wie er es möchte, daß sich seine Seele unaufhörlich in einer solch glühenden Sehnsucht befindet, daß Gott in ihm verherrlicht wird, er selbst sich aber so verhält, als existiere er nicht. Er weiß weder, was er ist, noch freut er sich überhaupt über Worte des Lobes. Denn aufgrund seines großen Verlangens nach Verdemütigung denkt er nicht an seine eigene Würde; vielmehr dient er Gott, wie es für die Priester Gesetz ist, und durch seine ausgeprägte Haltung der Gottesliebe schafft er das Gedenken seiner eigenen Würde beiseite. Dabei verbirgt er im Geist der Demut irgendwo in der Tiefe der Gottesliebe den Ruhm, der aus ihr erwächst. So möchte er vor sich selbst in seinem Denken stets gewissermaßen wie ein unnützer Knecht erscheinen, da er aufgrund seines Verlangens nach Verdemütigung seiner eigenen Würde ganz und gar fremd ist.
Dies sollen auch wir tun, indem wir alle Ehre und allen Ruhm fliehen aufgrund des überfließenden Reichtums der Liebe des Herrn, der uns so sehr liebt.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese

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