Montag, 10. Februar 2014

Die Wunden der Seele sind den Wunden des Körpers ähnlich

17) Wenn die dem Leib zugefügten Wunden verkrustet und vernachlässigt sind, verspüren sie nichts von der Medizin, die ihnen von den Ärzten verabreicht wird. Wurden sie aber gereinigt, verspüren sie die Wirksamkeit der Arznei und gelangen dadurch zur vollen Heilung. Genauso ist es auch mit der Seele. Solange sie vernachlässigt und vom Aussatz der Genußsucht ganz bedeckt ist, kann sie die Furcht des Herrn nicht empfinden, auch wenn ihr jemand das schreckliche und machtvolle Gericht Gottes unaufhörlich ankündigt. Beginnt sie aber, sich durch große Aufmerksamkeit zu reinigen, dann verspürt sie die göttliche Furcht. Ist diese doch gewissermaßen ein Heilmittel zum Leben, welches die Seele durch die Wirksamkeit der Prüfungen gleichsam ausbrennt mit dem Feuer der Leidenschaftslosigkeit. Darum gelangt sie, nunmehr allmählich gereinigt, zur vollständigen Reinigung. Dabei wird sie in dem Maß der Liebe anheimgestellt, wie in ihr die Furcht abnimmt. So soll sie zur vollkommenen Liebe gelangen, in der es, wie gesagt, keine Furcht gibt," sondern höchste Leidenschaftslosigkeit, welche durch die Herrlichkeit Gottes bewirkt wird.
Es gereiche uns also zum unaufhörlichen Ruhm allen Ruhmes zuerst die Furcht Gottes, sodann aber die Liebe, die Erfüllung des Gesetzes der Vollkommenheit in Christus.



Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese

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