Dienstag, 25. Februar 2014

Die natürliche Empfindung

25) Die Wirkung der heiligen Erkenntnis selbst lehrt uns, daß es nur eine einzige natürliche Empfindung (der Seele) gibt; doch wurde sie später durch den Ungehorsam Adams in zwei Wirkungen zerteilt. Eine einzige und einfache Empfindung aber ist es, welche vom Heiligen Geist her der Seele zuteil wird.
Niemand vermag sie zu kennen, außer jenen allein, die sich infolge ihrer Hoffnung auf die kommenden Güter freudig von den Annehmlichkeiten des Lebens lossagen und das gesamte Drängen der leiblichen Empfindungen durch die Selbstbeherrschung entkräften. Denn nur bei solchen vermag der Geist, durch die Sorglosigkeit in kraftvoller Bewegung, die göttliche Güte auf geheimnisvolle Weise zu empfinden.
Darum gibt er dann auch dem Leib entsprechend seines Fortschritts an seiner eigenen Freude Anteil, wenn er mit gewissermaßen unendlichen Worten jubelt in der Liebe des Lobpreises. Denn "auf ihn", heißt es, "hoffte mein Herz; es ward mir geholfen, und mein Fleisch lebte auf. Aus ganzem Herzen will ich ihn preisen." Denn die Freude, die der Seele und dem Leib dann wirklich zuteil wird, ist untrügliche Erinnerung an das unvergängliche Leben.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese

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