Donnerstag, 6. Februar 2014

Die Liebe, von der alle heiligen Schriften sprechen

15) Wenn jemand beginnt, die Liebe Gottes reichlich zu erfahren, dann fängt er an, in der Erfahrung des Geistes auch den Nächsten zu lieben. Denn dies ist die Liebe, von der alle heiligen Schriften sprechen. Die fleischliche Zuneigung nämlich kommt sehr leicht zur Auflösung, nachdem ein geringfügiger Grund gefunden ist. Sie ist ja nicht mit der Erfahrung des Geistes gebunden. Sollte sich aber bei der Seele, die von Gott bewegt wird, eine gewisse Erbitterung eingestellt haben, so wird bei ihr das Band der Liebe nicht gelöst. Denn indem sie sich durch die Glut der Gottesliebe wieder neu belebt, ruft sie sich so schnell wie möglich wieder zum Guten zurück und nimmt mit großer Freude die Liebe des Nächsten entgegen, selbst wenn sie von ihm äußerst hochmütig behandelt und geschädigt wurde. Denn in der Süßigkeit Gottes verzehrt sie ganz und gar die Bitternis des Streites.

Diadochos von Photike: 100 Kapitel über die Askese

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