Donnerstag, 23. Januar 2014

Wer war die Apostelin Junia?

Wer sich mit dem Thema Frauenpriestertum auseinandersetzt, der kennt sie: Die Apostelin Junia. Sie verkörpert alles, was man sich als pro-women-priest-Anhänger_in wünschen kann. Eine hochgerühmte Apostelin, die von einer frauenfeindlichen Männergesellschaft verdrängt wurde, indem man ihren Namen aus der Hl. Schrift vermännlicht hat, um die Frauen aus der mittelalterlichen Männerherrschaft endgültig zu verdrängen. Glücklicherweise haben kluge feministische Exegetinnen mittlerweile die Wahrheit herausgefunden.

Natürlich ist diese Einleitung von Ironie nur so getränkt. Wobei wir der feministischen Forschung wirklich dankbar sein dürfen, dass sie sich so um die Richtigstellung des Namens Junia bemüht hat. Die historische Forschung ist sich denn auch weitgehend einig, dass es eine Apostelin Junia gab. Allerdings war das noch bis ins Mittelalter usus und ist vermutlich nur aus dem Bewusstsein verschwunden, weil ein geplagter Kopist ein s an den Namen drangehängt hat in der Annahme, er sei falsch geschrieben worden. 

Apostel kann vieles bedeuten

Aus der Existenz der Junia meinen nun einige ableiten zu können, es habe weibliche Apostel gegeben und deswegen könne man Frauen das Priestertum nicht verwehren. Wie ich bereits in einem vorherigen Post dargestellt habe, werden viele Personen als Apostel bezeichnet, obwohl ihnen dadurch keine besondere Autorität zukommt, die mit dem von Petrus oder Paulus vergleichbar wären. Es sind eher Missionare und Gesandte der Urkirche. Das meint aber die Kirche offensichtlich nicht, wenn sie von Aposteln spricht. Sondern sie meint jene, die autoritativ Zeugnis abgegeben können.

Junia, Apostelin im Rang von Petrus und Paulus?

Doch kann Junia zu dieser Gruppe gehört haben? Möglich ist das durchaus. Wie Paulus berichtet, sind sie noch vor ihm zum Glauben gekommen, gehören also zu den ganz frühen Christen. Auch bezeichnet sie Paulus als hervorragend unter den Aposteln, sie scheinen also auch nicht ganz unwichtig zu sein. Man könnte sie also mit jenen Aposteln in Verbindung bringen, denen Christus zwischen Ostern und Himmelfahrt erschienen ist. 

Junia steht nicht isoliert

Gegen eine hohe Position in der Urkirche spricht allerdings interessanterweise gerade die Formulierung des Paulus. 
Die beiden, Andronikus und Junia, stehen nicht isoliert, sondern in einer ganzen Liste von Personen, die Paulus grüßen will. Zuerst wird Phoebe erwähnt, sie ist die Überbringerin des Schreibens. Dann werden Priska und Aquila erwähnt, die in der Forschung oft als Gemeindeleiter identifiziert werden. Anschließend wird ein gewisser Epänetus erwähnt, der einer der ersten Missionierten des Paulus war. Es folgt eine gewisse Maria, die sich für die Gemeinde ziemlich ins Zeug zu legen scheint. Wenn Paulus hier nicht zufällig eine Reihung vornimmt, dann spricht einiges dafür, dass er die genannten Personen nach der Bedeutung, die er ihnen zumisst, behandelt. Dafür spricht auch, dass er im letzten Teil des Grußes immer mehr Personen auflistet, ohne sie weiter zu beschreiben.

In dieser Liste stehen also Andronikus und Junia an vierter Stelle. Anders als die übrigen werden sie als Apostel bezeichnet. Folgt man der Argumentation der feministischen Exegese, müssten sie damit den obersten Rang einnehmen oder wenigstens gleich nach der Gemeindeleitung geführt werden. Werden sie aber nicht, sondern sie sind mitten in die Liste gepackt. Das spricht nicht für einen herausragenden Rang, der mit Paulus gleichberechtig wäre, sondern eher für Apostel im weiteren Sinne.

Junia, Apostelin und vieles andere

Behandeln wir nunmehr auch, was Paulus über die beiden sagt: "Grüßt Andronikus und Junia, meine Stammverwandten und Mitgefangenen, die berühmt sind unter den Aposteln und schon vor mir in Christus gewesen sind." Paulus erwähnt zuerst, dass sie Stammverwandte sind. Damit meint er keine familiäre Bindung. Vielmehr weist er sie als zum gleichen jüdischen Stamm gehörig aus. Dann weist er sie als Mitgefangene aus, also das auch sie für den Glauben gelitten haben, was in der frühen Kirche ein großes Kompliment war. Bezeichnenderweise kommt der Aposteltitel dann erst an dritter Stelle der Beschreibung, zugleich wird ihr Ruhm in diesem hervorgehoben. Man fragt sich jedoch, warum Paulus das eigens hervorhebt. Wären beiden in so hohem Rang, wie von der feministischen Exegese behauptet wird, müsste man ihre Bedeutung nicht hervorheben, zumal wenn sie die einzigen Apostel in Rom sind. Ihr Rang und ihr Ruhm ständen dann nicht in Zweifel. Auch die Rolle von Priska und Aquila als Gemeindeleiter wird nur indirekt erwähnt, wogegen Paulus auf seine Geschichte mit den beiden abhebt, um diese zu beglaubigen. Funktion und Stellung, die von ihm unabhängig sind, müssen aber nicht beglaubigt werden.

Andronikus und Junia: Einsatz für Christus

Untersuchen wir die Frage nach der Form von Junias Apostolat unter dem historischen Gesichtspunkt, müssen wir eine eindeutige Antwort schuldig bleiben. Da Paulus in vielen verschiedenen Kontexten von Aposteln spricht, sagt die reine Benutzung des Titels noch nichts über die Art des Aposteldienstes aus. Die Art der Nennung spricht aber eher gegen die Funktion eines petrinisch-paulinischen Apstolates. Dessen ungeachgtet erblicken wir in Andronikus und Junia zwei nicht unprominente Mitglieder des frühen Christentums, die durch ihren Einsatz sich den Respekt der Gemeinde verdient haben.

Kommentare :

  1. Nach Ihrer polemischen Einleitung könnte man sich den Rest der Lektüre ersparen, weil, auf der Hand liegt, was hnten heraus kommt, wirklich schade, dass Sie nicht zu einer objektiven Auseinandersetzung in der Lage sind!

    Hier geht wieder einiges durcheinander. Zum einen sind alle Apostel Juden, ganz wichtig, das Herausstellen der jüdischen Wurzeln deutet eher in Richtung Apostelamt! Zudem waren beide noch vor Paulus Christen, sie gehören also in die frühesten Anfänge der Christenbewegung. Die Reihenfolge beginnt mit Phoebe, die nicht den höchsten Rang hat, es liegt also keine Rangreihenfolge vor. Apostel sind auch nicht einer Gemeinde (hier Rom) zugeordnet, als Wandermissionare gründen sie Gemeinden! Mehrfach macht Paulus in den Briefen darauf aufmerksam, dass die Apostel meist als Paar unterwegs sind, er ist da eher die Ausnahme. Wären die beiden, wie Sie andeuten, nur Briefträger, warum überbringt dann Phoebe den Biref, vor allem aber, warum wird diese unwichtige Arbeit hier besonders herausgestellt? Nein, das gemeinsame Leid, die Gefangenschaft, das Christsein und das Apostelsein vor Paulus macht sie zu Schwergewichten des frühen Christentums. Von Ihrer Argumentation bleibt nichts übrig!

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    1. Liebe Frau Knaub,

      wer in einer Kommentarspalte bzgl. einer historischen Analyse rumschreit "ES GIBT NUR EIN EVANGELIUM!!!" ist wohl gleichsam für eine objektive Diskussion disqualifiziert. Überhaupt wundere ich mich, dass sie sich hartnäckig weigern, einen eigenen Text in dieser Sache vorzulegen, wenn sie sich selber für so qualifiziert halten. Sie aber motzen immer nur an meinen Texten rum. Warum gönnen sie mir denn nicht das gleiche Vergnügen?

      Nachdem wir also ausreichend gegenseitige Herablassung ausgetauscht haben, will ich mich ihrer Argumentation zuwenden. Und da trifft mich ihre Argumentation gar nicht.

      Phoebe wird klar als erste genannt, weil sie den Text überbracht hat. Sie fällt aus der Ordnung raus. Klammern sie Phoebe aus, werden sie eine gewisse Rangfolge feststellen, wenngleich man diese natürlich auch anders deuten kann als ich.

      Warum sollte das Herausstellen der jüdischen Wurzeln auf das Apostelamt hindeuten? Nur weil die Apostel Juden waren? Hier weist Paulus auf seine Beziehung zu den beiden hin, das wird auch aus dem nächsten Punkt, der gemeinsamen Gefangenschaft klar.

      Wer sagt denn übrigens, dass die beiden Briefträger gewesen sein müssen? Aus meinen Darlegungen im letzten Post zu diesem Thema gehen viele Möglichkeiten hervor. Ihr Gegensatz zwischen autoriativen Aposteln ist daher künstlich.

      Wie bereits ergeben die Quellen kein eindeutiges Bild, sie sind im Sinne ds historischen Arbeitens auslegbar. Ich halte meine Interpretation für sinnvoller, aber das versteht sich. Allerdings würde ich ihnen, liebe Frau Knaub, anraten, sich mal nicht so weit in ihren Aussagen zu versteigen. Ich kann mit der Unsicherheit leben, die uns die Quellen bieten. Wenn sie das nicht können, ist das ihr Problem, nicht meins.

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    2. Mir geht es nicht um Meinungen, mir geht es darum, dass Sie Ihre Meinung unbegründet darlegen. Ihr letztes Statement enthält nichts Verwertbares, nur Meinung. Sie weigern sich mit den Sachargumenten auseinander zu setzen, erfinden dubiose Apostelbegriffe, die man an den Texten nicht fest machen kann. Es gibt das Apostelamt und es gibt den Boten. Alles andere entstammt Ihrer Phantasie!

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    3. In meinen Ausführungen über die Apostelbegriffe rezipiere ich wesentlich:
      Rengstorf, Karl Heinrich: Eintrag: apvostoloj, in: ThWNT Bd.1 S. 406–448. Kohlhammer, Stuttgart, 1990
      Grudem, Wayne: Systematic Theology. An Introduction to Biblical Doctrine, Grand Rapids, 2000, 60–64; S. 907–912.
      Lohse, Eduard. Der Brief an die Römer. KEK
      Bd. 4. 2003.

      Was sind ihre Zeugen?

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    4. Und wieder stramme Behauptungen. Wo genau, glauben Sie, bestätigen diese Autoren Ihre Haltung. Geben Sie die Texte doch bitte wieder. Meine Quelle ist Paulus: Ein Christus 1Kor 12,12, ein Evangelium Gal 1,7, ein Apostelamt 1Kor 9,2f. That'S it!

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    5. In meinen Ausführungen über die verschiedenen Apostelbegriffe - die Unterscheidung in engeren und weiteren Apostelbegriff und die Aufzählung - des entsprechenden Posts beziehe ich mich wesentlich auf die genannten Autoren.

      Ich weise sie darauf hin, dass sie wieder historische und theologische Argumentation vermischen. Dabei stellt sich die Frage, ob Junia Apostelin war, theologisch gar nicht. Nur historisch.

      An dieser Stelle beende ich die Diskussion für diesen Post.
      Gerne lade ich sie zu weiteren Kommentaren ein. Dann mäßigen sie sich aber in Zukunft und tun nicht so, als hätten sie die Weisheit mit dem Löffel gefressen. Gerade als jemand der fachfremd ist - wie ich annehme, sie dürfen mich da final korrigieren - sollten sie sich da etwas zurückhalten.

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